Chronik der Zahnärzte des Kreises Schleswig 1900-2008
von Falk Ritter, Schleswig, 2008

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Inhalt:
1. Einleitung
2. Was war ein Dentist?
3. Die Zahnkünstler 1881
4. Die Prüfung nach § 123 RVO
5. Das Zahnheilkundegesetz von 1952
6. Der letzte Dentist 1993
7. Die Krankenkassen
8. Schulzahnuntersuchungen und Kindergartenprophylaxe durch niedergelassene Zahnärzte
9. Kaufe Gebisse
10. Der Zahnärzteverein des Kreises Schleswig
11. Werbung durch Dentisten und Zahnärzte und zwei Konflikte unter Dentisten
      1907 Zahnkünstlerinnung versus Dentist Giebel
      1912 Augustat versus vier Schleswiger Dentisten
12. Artikel über Zähne
13. zahnmed. Produkte
14. Dissertationen
15. Interessante Biographien
      Der NS-Bürgermeister Dr. Adolph Herting
      Der Stahlhelmer Dr. Johannes Trahn
      Das Schicksal des Dentisten XYZ
16. Liste der selbständigen Zahnbehandler 1900 bis 2008
17. Liste der nichtselbständigen Zahnbehandler 1900 bis 1950
18. Amalgamdiskussionen
19. Personalanzeigen
20. Zahntechnische Labore
21. Zahnärzte- und Dentisten-Dynastien im Kreis Schleswig
22. Besondere Fachrichtungen unter den Zahnbehandlern
23. Entwicklung der Zahnärztemengen von 1976 bis 2008
24. Zähne im Theater und Kino
25. Besondere Methoden in den Zeitungs-Anzeigen
26. Zweigpraxen
27. "Das Lied vom Zahnarzt"
28. Zahnarzthelferinnen
29. Anmerkungen

1. Einleitung
Diese Arbeit ist die Fortsetzung von "Ateliers für künstliche Zähne". Sie beschreibt die Geschichte der Zahnbehandler in den Grenzen des alten Kreis Schleswig, wie er von 1869 bis 1970 existierte. (SN bedeutet Schleswiger Nachrichten)

2. Was war ein Dentist?
Die zahnmedizinische Versorgung der schleswig-holsteinischen Bevölkerung oblag in dänischer Zeit hauptsächlich den Barbieren, die sich auch als (niedere) Chirurgen bezeichneten.
Chirurg kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Handwerker".
Es gab nur wenige Zahnärzte, deren Ausbildung in Chirurgischen Akademien erfolgte.
Der Zahnarzt gehörte rangmäßig in die Kategorie (höherer) Chirurg.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwogen die reisenden, in der zweiten Hälfte die niedergelassenen Zahnärzte.
Die Preußen führten 1869 die Gewerbefreiheit ein, sodaß ein neuer Beruf entstand.
Ihre Träger nannten sich Dentisten, Zahntechniker, Zahnkünstler oder Zahnartisten.
Besonderes Merkmal dieses Berufsstandes war, daß es keine Vorschriften für die Ausübung dieses Berufes gab.
Jeder, der Lust dazu hatte und Patienten fand, konnte ihn ausüben.
Staatlicherseits gab es nie vorgeschriebene Prüfungen.
Der letzte seiner Zunft legte 1993 den Bohrer aus der Hand.
Nach der Schließung der Chirurgischen Akademien erfolgte die Ausbildung der Zahnärzte an den Universitäten.
Der Gegensatz hie Zahnarzt - dort Dentist avancierte in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts zum beherrschenden Thema der zahnmedizinischen Zunft.
Promovieren konnten die Zahnärzte erst seit 1919.
Wer schon vorher promoviert hatte wie z.B. Dr. Greve, tat es in einer anderen Fakultät nach einem anderen Studiengang.
Die Dentisten waren bemüht, ihr Image durch Qualitätssicherung anzuheben.
Dazu gründeten sie z.B. in Hamburg die Vereinigung der Zahnkünstler.
Wer dort Mitglied werden wollte, mußte eine Prüfung ablegen und durfte sich dann Zahnkünstler nennen.
Mit der RVO §123 bekamen die Dentisten 1920 die Voraussetzung, auf Kosten der Krankenkassen zu behandeln, wenn sie eine Prüfung ablegten.
Im Jahre 1952 kam das Zahnheilkundegesetz, das die Dentisten in den zahnärztlichen Berufsstand integrierte, wenn sie vorgeschriebene Fortbildungsveranstaltungen besuchten.
Eine Prüfung erfolgte nicht.
Sie durften sich jetzt auch Zahnärzte nennen.
1969 erging ein Verfassungerichtsurteil, daß jedem, der vor 1953 zahnmedizinisch tätig war, erlaubte, dies fortzusetzen und auch über die Krankenkassen abzurechnen.
Eine Fortbildung oder Prüfung war nicht erforderlich.
Einzige Einschränkung war, daß er sich nicht Zahnarzt nennen durfte.
Zahntechniker nannten sich seit 1953 nur noch die Handwerker, welche zahntechnische Arbeiten in einem Labor außerhalb des Mundes des Patienten anfertigten.
Es wurde untersucht, wie groß der Anteil der Barbiere im Kreis Schleswig, war, die sich in den Jahren um 1900 auf Zahnheilkunde spezialisierten:
Schleswig: 4 von 34
Kappeln: 4 von 6
Friedrichstadt: keiner
sonstige Dörfer: keiner

Anzeige in den SN am 18.11.08 SN

3. Die Zahnkünstler 1881
Am 18.7.1881 wurde in Hamburg die Satzung der Zahnkünstlerinnung erlassen.
Um hier Mitglied zu werden, mußte man eine Prüfung bestehen.
Sie bestand aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.
Im praktischen Teil mußten folgende Arbeiten durchgeführt werden:
- Gebiß aus Kautschuk resp. Goldbasis
- Vorarbeiten und anpassen
- Zahnfüllen und Zahnziehen
- Ausführen von Apparaten zum Geraderichten schiefstehender Zähne sowie von Obturatoren (Prothese bei Wolfsrachen bzw. Hasenscharte).
Wer die Prüfung bestanden hatte, durfte sich Zahnkünstler nennen. 1)

4. Die Prüfung nach § 123 RVO
Vereinzelt bekamen die Dentisten Zulassungen zu den Krankenkassen.
Der 1.10.1920 markierte für die Dentisten einen großen Erfolg.
Ab jetzt durften sie zu Lasten der RVO-Krankenkassen arbeiten, wenn sie sich einer Prüfung nach § 123 RVO erfolgreich unterzogen hatten.
In Schleswig-Holstein war die Küterstraße 5 in Kiel der Austragungsort.
Dort residierte der Zahntechniker M.Mertz als Direktor des Fortbildungsinstitut des Reichsverbandes Deutscher Dentisten.
Der Vorsitzende des Ausschusses für die staatliche Prüfung der Zahntechniker war der Oberregierungs- und -medizinalrat Dr. Möbius in Schleswig (22.11.1928)
Als Voraussetzungen für die Prüfungszulassung dienten:
- 3-jährige Lehre
- 4-jährige behandelnde Tätigkeit am Patienten und Arbeit im Labor als Gehilfe unter Aufsicht eines Zahnarztes oder Dentisten - Bedürfnis-Bescheinigung einer Versicherung (LAS 309-163)
- polizeiliches Führungszeugnis

Die Prüfung beinhaltete:
- Füllen und Extrahieren
- Ober- und Unterstück in Wachs
- Partielles Stück mit Zähnen, Klammern, Schutzplatten, Kautschuk
- Metallarbeit (Goldkrone)
- mündliche Prüfung (3 Fragen) Die Fragen entstammten einem Fragenkatalog. Im Prüfungsprotokoll wurde die Nr. der Frage vermerkt und ob Beanstandungen bei der Antwort waren. 2)

Rudolph Westphal. Im Hintergrund sog. Moulagen, die als Anschauungsmaterial bei der Ausbildung dienten. Dank an ihn selbst

5. Das Zahnheilkundegesetz von 1953
1953 schaffte das Zahnheilkundegesetz die Kurierfreiheit und den Dualismus aus Zahnärzten und Dentisten ab.
Die bis dahin praktizierenden Dentisten wurden nach Absolvierung eines Lehrgangs in die Zahnärzteschaft übernommen.
Laut Hans-Jörn Harms betrug der Lehrgang für Dentisten zum Erwerb der zahnärztlichen Approbation 1 Tag Schulung im Rendsburger Conventgarten.
Nach seinen Angaben waren die Dentisten in der Prothetik besser ausgebildet als die Zahnärzte.

6. Der letzte Dentist 1993
Am 16.7.1926 las man in den Friedrichsstädter Nachrichten folgende Anzeige:
"Halte auf Wunsch meiner Patienten auch in Friedrichstadt Neuestr. 13 1.Et. jeden Freitag und Sonnabend von 2-6 Uhr Sprechstunden. Zahnpraxis Dentist Oskar Freudentheil, Süderstapel"
Freudentheil wurde 1887 in Bremervörde geboren.
Da er bereits vor dem 1.Weltkrieg in Cuxhaven für eine Krankenkasse gearbeitet hatte, brauchte er 1920 nicht mehr die RVO-Prüfung nach § 123 ablegen.
Zuletzt arbeitete er in Dörpling - südlich von Erfde.
Seinen gleichnamigen Sohn beschäftigte er als Angestellten.
Als er 1960 starb, kam Oskar Freudentheil jun. in Schwierigkeiten, denn er durfte jetzt keine Kassenpatienten mehr behandeln.
Grund war die fehlende Ausbildung als Dentist, die fehlende Prüfung nach § 123 RVO und der fehlende Lehrgang, um als Zahnarzt anerkannt zu werden.
Da die selbständigen Bauern noch Privatpatienten waren, war das anfangs kein großes Problem.
Mit den pflichtversicherten angestellten Patienten verfuhr er so:
Die Extraktionen konnte er nicht bei der KZV über Krankenschein abrechnen, also machte er sie umsonst.
Die Prothetik rechnete er mit den Krankenkassen direkt ab.
Aber mit der nahenden Einführung der Landwirtschaftlichen Krankenkasse als Pflichtkasse (1972 vollzogen) drohte ihm das wirtschaftliche Aus.
So zog er vor das Sozialgericht, was seinen Fall als Sprung-Revision an das Bundesverfassungsgericht überwies.
Dieses entschied zu seinen Gunsten, was sich 1969 so im Zahnheilkundegesetz niederschlug:
§ 19 Ausübung der Zahnheilkunde ohne Approbation als Zahnarzt oder Arzt
Wer vor Inkrafttreten dieses Gesetzes die Zahnheilkunde ausgeübt hat, ohne im Besitz einer Bestallung als Arzt oder Zahnarzt zu sein, darf sie im bisherigen Umfange weiter ausüben.
Herr Freudentheil kannte persönlich 20 Dentisten, die von seinem Urteil profitierten, in ganz West-Deutschland sollen es ungefähr 300 gewesen sein.
Er praktizierte bis 1993 und trug auf dem Praxisschild die Berufsbezeichnung "Dentist". 3)

7. Die Krankenkassen
1904 konnten Krankenkassen-Gebührensätze für Zahnärzte ermittelt werden:
"Vergütungssätze der Krankenkasse für Handelsangestellte in Barmen, e.H. für zahnärztliche Behandlung.
Gültig ab 1. Oktober 1904.
- Zahn ziehen (erster Zahn) Mk. 1.oo für jeden weiteren Zahn in derselben Sitzung Mk.- .5o
- Nervtöten Mk. - .70
- Zähne reinigen Mk. 1.50
- Plombieren eines Zahnes Mk. 1.70 für jeden weiteren Zahn in derselben Sitzung Mk. 1.20 Für jede weitere Plombe in derselben Sitzung falls drei Plomben oder mehr notwendig sind, darf die Behandlung nur aufgrund eines von der Kasse beglaubigten ärztlichen Attestes erfolgen. Gleichgültig ist dabei, ob die drei oder mehr Plomben in einer Sitzung oder aber im Laufe eines Jahres als notwendig erachtet werden.
- Künstliche Zähne und Gebisse. Wir gewähren Beihülfen nur nach Beibringung eines ärztlichen Attestes mit gleichzeitigem Kostenanschlag. Die Höhe der Beihülfen wird bei der Genehmigung, ohne welche die Behandlung nicht erfolgen darf, auf dem Atteste vermerkt.
Krankenkasse für Handelsangestellte in Barmen e.H.
i.A. Ernst Zesper Vorsitzender Barmen, 27. September 1904." 4)

Am 17.4.1912 erschien in den SN eine Abrechnung der AOK:
Einnahmen 1911: 93.572,41Mk
Einnahmen 1910: 91.931,17 Mk
Die Arztkosten verteilen sich auf
Kassenärzte laut Pauschale 23.378, 45 Mk,
auswärtige Ärzte 1990,30 Mk
Erstattungen 3107,90 Mk Zahnärzte und -techniker

Am 31.12.1929 berichteten die SN über die AOK:
"Zur Zahnbehandlung bei Kassenmitgliedern und deren Angehörigen in der Stadt Schleswig sind zugelassen die Zahnärzte Dr. Doll, Dr. Jepsen, Dr. Trahn, Dr. Herting und Zahnarzt Weiß, weiter die Zahntechniker C. Schnittger und Spangenberg. Weitere Zahnärzte und Zahntechniker dürfen, abgesehen von dringenden Notfällen, für Rechnung der Kasse nicht in Anspruch genommen werden. Schleswig, den 27.Dezember 1929
Der Kassenvorstand Kolar"

Thomas Liekefett, 1. Vorsitzender des ZÄ-Vereins 1993-2003, Dank an seine Witwe

8. Schulzahnuntersuchungen und Kindergartenprophylaxe durch niedergelassene Zahnärzte
1897 führte der Zahnarzt Doll in Schleswig Schulzahnuntersuchungen durch. 1921 tat er eben solches im Landeskrankenhaus Hesterberg.

Reihenuntersuchungen an Schulen zwecks Erlangung des Doktorgrades führten folgende Kollegen durch:
Dr. Adolph Herting 1921
Dr. Arthur Reinshagen 1922
Dr. Peter Henrick Krambeck 1950
Dr. Gabriela Haas 2002

1937 führten folgende Kollegen auf Initiative des Kollegen Dr. Herting sen. Schulzahnuntersuchungen im Kreise Schleswig durch : 5)
Dr. Herting, Schleswig, Bahnhofstr. 2
Dr. Doll, Schleswig, Stadtweg 54
ZA Gottfriedsen, Schleswig, Friedrichstr. 54
Dr. Grage, Schleswig, Stadtweg 20
Dr. Jessen, Schleswig, Stadtweg 48
Dr. Trahn, Schleswig, Lollfuß 79
Dr. Gerlof, Erfde
Dr. Grünberg, Treia
Dr. Hartmann, Friedrichstadt
Dr. Jänisch, Kappeln
Dr. Uwe Jensen, Flensburg, Grosse Str.52
Dr. Leesemann, Süderbrarup
Der Dentist Westpahl führte auch Schulzahnuntersuchungen am Taubstummeninstitut in Schleswig durch.

Das Honorar für die Untersuchung eines Kindes betrug in den 70er und 80er Jahren 1 DM, was später auf 1,25 DM erhöht wurde.
Die erste hauptamtliche Schulzahnärztin des Kreises Schleswig-Flensburg wurde in den 80er Jahren Frau Karin Busche, ab 2003 übt Frau Dr. Christiane Stappert dieses Amt aus.
Seit 1993 konnte der Kreis Schleswig-Flensburg kaum noch einen freiberuflichen Kollegen für diese Tätigkeit gewinnen.

Im Jahre 1980 gründete die schleswig-holsteinische Zahnärztekammer das sog. "Hellwege-Programm".
Zahnärzte bildeten sog. Patenschaften mit Kindergärten, die sie aufsuchten und dort die Eltern und Kinder über richtige Ernährung, Zahnpflege und Fluoridierung der Zähne aufklärten.
Dabei arbeiteten sie mit dem Kreisgesundheitsamt und der AOK Schleswig zusammen.
Erfolge in der Zahnprophylaxe waren nicht nur kreis-, sondern landes- und bundesweit zu verzeichnen, wo ähnliche Initiativen liefen.
Die Zahngesundheit der deutschen Kinder nahm signifikant zu.
Deutschland stieg weltweit vom kinderzahnmedizinischen Problemland zu einem Vorbild auf.

9. Kaufe Gebisse
Während des 1. Weltkrieges tauchten in den Zeitungen viele "Kaufe Gebisse"-Anzeigen auf.
Grund dafür war, dass die Kriegsindustrie von Salpeterimporten abgeschnitten war und zur Sprengstoff- und Düngemittelherstellung auf Platin-Katalysatoren angewiesen war, die zur Ammoniak-Synthese nötig waren.
Genaueres siehe die Arbeit "Gebissaufkäufer in Schleswig 1892-1923" 6)

10. Der Zahnärzteverein des Kreises Schleswig
wurde am 29.5.1954 gegründet. Die 1. Vorsitzenden waren:
1954 - 1972 Dr. Adolph Herting sen.
1973 - 1983 Günther Clausen
1983 - 1984 Eberhardt Vogtherr
1984 - 1993 Dr. Wolfgang Aust
1993 - 2003 Thomas Liekefett
2004 - 2011 Dr. Susanne Mesche
2011 - .........Kersten Lademann

Günther Clausen, 1. Vorsitzender des Zahnärztevereins 1973 - 1983, Dank an seinen Sohn

Der zahnärztliche Notdienst wurde 1958 eingerichtet, zunächst nur für Schleswig, in den 90er Jahren wurde er auch auf den Kreis Schleswig ausgedehnt.
1973 wurde von Dr. Herting sen. das Projekt Zahnstation Hesterberg gegründet.
Dort behandelten umschichtig Schleswiger Zahnärzte die geistig behinderten Kinder.
Schwierige Fälle wurden von Dr. Herting in Vollnarkose behandelt.
Dieses Projekt wurde Anfang der 90er Jahre wegen Finanzierungsfragen eingestellt.

Ursprüngliche Zahnstation im Hesterberg im Souterrain, später im Neubau.

11. Werbung durch Dentisten und Zahnärzte und zwei Konflikte unter Dentisten
Die öffentliche Werbung von Zahnärzten hörte 1900 auf.
Die Dentisten taten dies noch bis zu Beginn des 1. Weltkrieges.
Die Zahnärzte- und Dentistenkammern sorgten nach dem Krieg für einen Stop der Werbung.
Im Jahre 2003 wurde das Werbeverbot juristisch so weit gelockert, daß man von einer Renaissance der zahnärztlichen Werbung sprechen kann.
Beispiele:
1907 Zahnkünstlerinnung versus Dentist Giebel
1912 Augustat versus vier Schleswiger Dentisten

Anzeige in den SN 1938

Gebäude der Bundeswehr-Zahnstation in der Kaserne "Auf der Freiheit", Dank an Herrn Sönke Hansen

Praxisschild der Bundeswehr-Zahnärzte, Dank an Herrn Sönke Hansen

Dr. Wolfgang Aust, 1. Vorsitzender des Zahnärztevereins 1984 - 1993, Dank an seine Witwe

12. Artikel über Zähne:
Am 27.3.1916 erschien in den SN Artikel über Zahnschmerzbehandlung mit Kölnisch-Wasser:
"Das Ende der Zahnschmerzen Auf ein außerordentlich einfaches und in verschiedensten Fällen wirksames Mittel, einen Zahnschmerz ohne eine Behandlung, die die Grundursache des Zahnschmerzes beseitigt, für längere Zeit auszuschalten, macht Bataillonsarzt Dr. Du Mont in dem nächsten Heft der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" aufmerksam. Ein glücklicher Zufall führte den Arzt auf diese selbsterprobte Behandlungsweise. Bei äußerst heftigen Zahnschmerzen, die weder durch eine Zahnbeseitigung, noch Jodeinpinselungen nachlassen wollen, zog Dr. Du Mont den Duft des Kölnischen Wassers ein, wobei einige Tropfen der Flüssigkeit bis an die Nasenschleimhaut emporgerissen wurden. Sofort waren die Zahnschmerzen dauerhaft verschwunden. Eine große Reihe in der Praxis ausgeführter Versuche, die eine Einwirkung von Schwefeläther auf die Schleimhaut herbeiführten, hatten jedesmal den gleichen Erfolg. Es wurden, um möglichst einfach die Tropfen an die Nasenschleimhaut gelangen zu lassen, erbsengroße Wattepfropfen mit Aether durchtränkt, lose je nach dem Sitze des Zahnschmerzes in das linke oder rechte Nasenloch getan, worauf der Patient sich möglichst weit zurückneigt und durch einen leichten Druck auf die Nase einige Tropfen auspreßt. Der Erfolg stellte sich bei kranken Zähnen, bei Wurzelhautentzündungen und rheumatischen Zahnschmerzen unmittelbar ein."
Weitere Artikel in den SN:
25.6.1926 Schleichende Quecksilbervergiftung, von M.-E. Amalgam
8.7.1929 Schulzahnpflege
29.7.1929 Das Zähneputzen
4.11.1929 Krankheit durch schlechte Zähne
6.11.1929 Weg mit dem Zahnschmerz
11.2.1930 Was sollte jede Mutter von den Zähnen und ihrer Pflege wissen?
23.9.1931 Die richtige Zahnbürste
20.10.1931 Maria Schirmer: Der Kampf gegen den Nuckel
6.1.1932 Zahnschmerz durch Erkältung?
3.3.1932 Der uralte Zahnschmerz
15.10.1934 5 Millionen Schulkinder ohne Zahnbürste
25.1.1936 Ziel, Weg und Zweck der Schulzahnpflege. Die Stadt Schleswig beschreitet neue, richtungsweisende Wege.
4.6.1936 Die Wurzel des Uebels: die Zahnwurzel, von Dr. med. G.Kaufmann
20.8.1936 Zur Gesundheitspflege der Jugend:
   Nach dem internationalen Zahnärztekongreß
   5 Millionen Kinder ohne Zahnbürste
   Die Zahnkrankheiten nach den Musterungsergebnissen
   Planung der Schulzahnpflege
25.9.1936 Zähne putzen in der Schule
24.4.1937 Die Organisation der Schulzahnpflege
9.8.1937 Gesunde Zähne für unsere Kinder (von Dr. Kurt Schaefer)
10.8.1938 Was soll mein Junge werden , Studium der Zahnmedizin mit Dr. kostet 7700 RM.
21.4.1939 Brotkruste die beste Zahnbürste Zähne und Wehrhaftigkeit
   Römische Köche verderben das Gebiß der Germanen
   Mehr Sorge um die Nahrung der Schwangeren
   Auch richtiges Kauen ist wichtig
   Erschreckende Feststellungen in der Rhön
29.11.1940 Schleibote Quecksilber im Gehirn
11.3.1941 Die Angst vorm Zahnarzt von Richard Euringer
27.9.1952 Die reizende Dentistin, Kurzgeschichte von Alfred Braesel
18.10.1952 14 Zahnärzte betreuen 13000 Schulkinder (Kreis Eck)
6.2.1953 Auf den Zahn gefühlt
24.4.1954 Der eingeschüchterte Zahnarzt

13. Zahnmedizinische Produkte hier klicken

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15. Interessante Biographien

Der NS-Bürgermeister Dr. Adolph Herting
war wohl der bedeutendste Schleswiger Zahnarzt des 20. Jahrhunderts. Über ihn schrieb der Verfasser bereits eine Biographie. Hier klicken.

Dr. Herting in der Uniform eines NSDAP-Kreisleiters, aus den SN

Dr. Adolph Herting wurde 1896 in Schleswig auf dem Holm geboren.
Er war Soldat im 1. Weltkrieg, studierte anschließend Zahnmedizin in Kiel und promovierte ebendort.
Er engagierte sich in der NSDAP, wurde deren Ortsgruppen- und Kreisleiter.
1933 avancierte er zum kommissarischen Bürgermeister - bis 1934.
Er profilierte sich in Schleswig besonders als Antisemit.
Dr. Herting baute die Schulzahnuntersuchungen im Kreis Schleswig auf.
Im 2. Weltkrieg arbeitete er in seinem Beruf beim Heer.
Nach dem Kriege wurde er entnazifiziert.
Von 1954 bis 1972 war er 1. Vorsitzender des Zahnärztevereins.
1973 baute er die Zahnstation im Hesterberg auf.
Dr. Herting starb 1987.

Der Stahlhelmer Dr. Johannes Trahn
wurde 1887 bei Süderbrarup geboren.
In Flensburg ging er zur Schule.
Er studierte Zahnmedizin in München und Kiel.
1913 ließ er sich in Schleswig Lollfuß Nr.29 nieder.
Er war verheiratet, hatte 2 Söhne und eine Tochter.
Im 1. Weltkrieg erlitt er Verwundungen und erhielt Tapferkeitsauszeichnungen.
1921 promovierte er in Kiel zum Dr. med. dent.
1929 wurde er zur AOK zugelassen.
Von 1931-1933 zeigte er ein starkes Engagement im Stahlhelm.
Als der Stahlhelm 1935 aufgelöst wurde, löste ihn der Zahnarzt Dr. Ernst Meyer (Kropp) als Kreisleiter ab. 7)
1937 führte Dr. Trahn Schulzahnuntersuchungen im Schleswiger Taubstummeninstitut durch.
1939 wurde er als Soldat eingezogen, brauchte aber nicht zur Front.
Er arbeitete als Oberleutnant auf Schloß Gottorf im Wehrbezirkskommando im Büro.

Dr. Johannes Trahn, Dank an seine Tochter

1941 hatte Dr. Trahn neben drei Holländern den Zivilpolen Zelazny als Zahntechniker angestellt.
Zelazny wurde von einem Schleswiger Dentisten wegen Überschreitung der Sperrstunde, die nur für Ausländer galt, angezeigt.
Später beantragte er Heimaturlaub, was ihm Dr. Trahn bewilligte.
Nach ein paar Wochen schrieb ihm Zelaznys Mutter und teilte ihm mit, daß ihr Sohn nicht bei ihr angekommen sei.
Daraufhin stellte Dr. Trahn Nachforschungen an, wobei er sich nicht scheute, sogar die Gestapo in Kiel anzuschreiben.
Diese warnte ihn, weiter Eingaben zu machen, weil er sonst große Problem bekommen würde.
Nach dem Krieg hat Dr. Trahn Flüchtlingszahnärzte in seiner Praxis und Labor ohne Bezahlung arbeiten lassen, damit sie nicht aus dem Beruf rauskommen.
Bei der Gründungsversammlung der ZÄK-Kammer wurde Dr. Trahn 1946 in den Vorstand gewählt.
Trahn starb 1962.

Das Schicksal des Dentisten XYZ (anonymisiert)
Ein besonderes Schicksal war XYZ beschieden.
Er schrieb nach dem Kriege:
"In den Jahren 19..-19.. war ich in Schleswig ansässig und übte dort meinen Beruf als selbständiger Dentist aus. Als der Nationalsozialismus an die Macht kam, trat ich aus geschäftlichen Gründen in die Partei und in die S.A. ein. Das war gegen Ende 1932. Jedoch nach ca. 5 Monaten trat ich 1933 wieder aus, als ich eingesehen hatte, daß der ganze Parteikram nichts weiter als eine wüste Postenjägerei war oder sich nach der Machtübernahme wenigstens dazu entwickelte. Ich habe mich dann immer wieder ablehnend über die Partei geäußert und bin deswegen auch ernstlich verwarnt worden, zumal ich meinen Patienten erzählte, was die Herren an der Spitze für Dinge trieben. Im Jahre 19.. wurde ich wegen angeblichen Vergehens gegen § 175 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. ... Ich ging dann nach Kiel und wurde hier am Auge operiert. Durch einen Bekannten wurde ich hier in einen Prozeß verwickelt und 19.. zu einem Jahr Zuchthaus wegen § 175 verurteilt. Nach Verbüssung der Strafe am 31. April 19.. habe ich mich dann einer schweren Augenoperation unterziehen müssen. Im September 19.. nahm ich dann Arbeit an in der Fischkonserven Fabrik "Nordland" in Hassee bei Kiel. Von da an habe ich gar kein Hehl aus meiner Abneigung gegen den Nationalsozialismus gemacht. Ich wurde zweimal zur Düppelstrasse [Zentrale der Gestapo in Schleswig-Holstein] zitiert ... Ende August 19.. wurde ich eines Morgens früh aus dem Bett geklingelt und von zwei Beamten der Gestapo nach der Düppelstrasse gebracht und dort wieder einem Verhör unterzogen, weswegen ich aus der Partei ausgetreten und ob ich etwa Kommunist sei. Ich wurde geohrfeigt und ins Polizeipräsidium gebracht. Nach ungefähr 3 oder 4 Tagen erfuhr ich, dass ich ins K.Z. nach Sachsenhausen kommen sollte." Dort verblieb er bis Kriegsende.
Danach stellte er einen Antrag auf Wiedergutmachung als Verfolgter des NS-Regimes. Diesem Gesuch wurde aber nicht entsprochen. 8)

16. Liste der selbständigen Zahnbehandler 1900 bis 2008hier klicken

17. Liste der nichtselbständigen Zahnbehandler bis 1900 bis 1950 hier klicken

18. Amalgamdiskussionen
Es gab bisher drei Phasen, in denen die Gesundheitverträglichkeit des Amalgams angezweifelt wurde.
- In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die unsachgemäße Verarbeitung des Amalgams in Amerika ein Streitpunkt, der erst 1895 durch Black gelöst wurde.
- 1926 publizierte der deutsche Chemiker Stock den Artikel "Die Gefährlichkeit des Quecksilberdampfes". Durch jahrzehntelang ohne besondere Schutzvorkehrungen durchgeführte Versuche mit    Quecksilber verursacht, litt Stock an einem unspezifischen Symptomenkomplex, der durch einen Zufallsbefund als chronische Quecksilbervergiftung diagnostiziert werden konnte. In der Folge übertrug er dieses Problem auf die Amalgamfüllungen im Munde der Patienten. Genauere Untersuchungen ergaben aber, dass die primäre Quelle für Quecksilberbelastungen des Menschen in der Nahrung (bes. Meeresfische) zu finden war, was für ein Abflauen der Amalgamdiskussion sorgte.
- Die dritte Antiamalgamwelle begann um das Jahr 1990. Sie wurde initiiert durch
- Wunsch der Patienten nach schönen Füllungen
- Angebote der Industrie von "schönen Füllungsmaterialien"
- Heilpraktiker, die ein neues Betätigunsfeld fanden
- Zahnärzte, die hier eine neue Einnahmequelle fanden
- den Toxikologe Dr. Daunderer mit seinen unwissenschaftlichen Behauptungen, auf den sich viele beriefen
- ebenso wie Prof. Wassermann vom toxikologischen Institut Kiel, dessen Schlußfolgerungen auch nicht schlüssig waren
Es wurden neue Untersuchungen über das Amalgam durchgeführt, die ihm aber alle eine gesundheitliche Unbedenklichkeit bescheinigten.
Die Alternative zum Amalgam sind die Kompositfüllungen.
Deren Bestandteile sind aber nachgewiesenermaßen zelltoxisch, was aber seltsamerweise hingenommen wird.
Der Verfasser vermißt Untersuchungen zu diesem Thema, die aber nicht durchgeführt werden, weil sie von der Industrie nicht gefördert werden?

19. Personalanzeigen
Die ersten Personal-Suchanzeigen erschienen seit 1936, z.B. am 26.8.1936 im Schleiboten
"Mädchen für einen halben oder ganzen Tag zum 1.10.1936 gesucht, Dentist Grobleben, Süderbrarup"

Richard Grobleben, Dank an seinen Enkel

20. Zahntechnische Labore
Alle Zahnärzte und Dentisten verfügten über ein Praxislabor.
Modellgußarbeiten wurden in den 30er Jahren an ein Neumünsteraner Labor geschickt.
Die ersten zahntechnischen Labore bis 1973 waren in Schleswig:

Name, Vorname, Strasse, von bis
Salisch, Günther, Herrenstall 5, 1931 bis 1982
Knust ,Waldemar, Moltkestr. 5, 1947 bis 1950
Gercke, Wilhelm, Bismarckstr. 6, 1956 - ?
Korn, Werner, Bismarckstr. 10, 1966 bis 1979 (heute Zahntechnik Zeschke, Schubystr. 36A)
Niermann, Jörg, Bahnhofstr. 3, 1973 bis 2008 (heute Axiodent in Fahrdorf)
Ketels, Peter, Lattenkamp 6, 1973 bis 2008 (heute Flemming-Dental in Flensburgerstr.166)

21. Zahnärzte- und Dentisten-Dynastien im Kreis Schleswig

Die Ahnenreihe der Jacobsen (Schleswig):
1.Jahr Name Vornamen Beruf
1751 Jacobsen, Cornelius, Amtschirurgus
1765 Jacobsen, Jacob Friedrich, Amtschirurgus
1814 Jacobsen, Johannes Jeß ,Amtschirurgus
1855 Jacobsen, Johann Joseph Cäcil, Amtschirurg, Barbier
1871 Jacobsen, Peter Friedrich Adolph, Barbier, Zahntechniker
1904 Jacobsen, Johann Peter Martin, Zahnarzt in Flensburg
.........in dieser Generation gab es keine Zahnbehandler............
1961 Dr.Zipperer, Wiebke, Zahnärztin in Plön
1981 Dr.Wilm, Gero, Zahnarzt in Schuby

Dank an Herrn Sönke Hansen

Die Praxis von F.Jacobsen ging danach in folgende Hände:
1. Jahr Name Vornamen Beruf
1871 Jacobsen, Peter Friedrich Adolph Barbier, Zahntechniker
1906 Spangenberg, Wilhelm Zahntechniker, Dentist, Zahnarzt
1955 Harms, Hans-Jörn Dentist / Zahnarzt
1977 Buhl, Dierk Zahnarzt
1993 Dr. Hansen, Christian, Zahnarzt
Ab 1977 arbeiteten Harms und Buhl zusammen, ab 1993 Buhl und Dr. Hansen.
Ab 2013 Dr. Hansen

Familie Moritzen in Schleswig
1931 - 1966 Moritzen, Joh. sen
1934 - 1961 Petersen, K.H. (Schwager v. Joh. Moritzen sen.)
1954 - 1993 Moritzen, Hans Uwe (Sohn v. Joh. Moritzen sen.)
1962 - 1994 Moritzen, Joh. jun. (Sohn v. Joh. Moritzen sen.)
1977 - 1997 Moritzen, Sönke, Zahntechniker bei seinem Vater Hans-Uwe Moritzen
1993 - heute Moritzen, Dörte (Tochter von Hans-Uwe Moritzen)
                     Gemeinschaftspraxis mit Kersten Lademann

Familie Gerlof in Erfde
1933 - 1944 Dr. Ernst Gerlof (Ehemann v. Heinke)
1950 - 1973 Dr. Heinke Gerlof (Ehefrau v. Ernst)
1963 - 1999 Dr. Dietrich Gerlof (Sohn von Ernst und Heinke)
1999 - heute Jens Gerlof (Sohn von Dietrich)

Familie Grobleben in Süderbrarup
1920 - 1957 Richard Grobleben
1955 - 1997 Bertrand Grobleben
1993 - heute Dr. Achim Grobleben

22. Besondere Fachrichtungen unter den Zahnbehandlern
1901 - 1932 Dr. med. Ferdinand Schulze in Uelsby, Arzt
1945 - 1968 Dr. med. Dr. med. dent. Walter von Osten, Kieferchirurg
1973 - 2006 Dr. med. dent. Peter-Uwe Pape, Kieferorthopäde, heute Axel Emmermann
1973 - 2007 Dr. med. dent. Friedhelm Halstrick, Oralchirurg
1983 - heute Dr. med. dent. Wolfgang Carstensen, Kieferorthopäde
1995 - heute Dr. med. vet. Friedrich Röcken, Tierarzt mit Spezialisierung auf Zahnheilkunde
2000 - heute Dr. med. dent. Jörg Beyer, Kieferorthopäde
2004 - heute Dr. med. Sabine Jonas, Kieferchirurgin
2007 - 2011? Zahnkosmetikstudio in Tarp, inzwischen geschlossen

Dr. Schulze behandelte auch Zähne, wie eine Anzeige beweist:
4.10.1916 SN Verloren / Gefunden
Abhanden gek. ein Paket Zahnzangen.
Abzugeben gegen Belohnung bei Dr. Schulze Uelsby
Seine Spezialität war Zähne unter Chloroformnarkose zu extrahieren, wie sein Enkel mir berichtete.

Kieferchirurgie ist eine Fachrichtung innerhalb der Medizin, Oralchirurgie innerhalb der Zahnmedizin.
Die Zahn- und Kieferklinik in Kiel wurde während und nach dem Kriege wegen der Bombenschäden ausgelagert. Siehe dazu die Anzeigen:

24.11.1944 SN Die Kieler Univ.=Zahn= u. Kieferklinik hält ihre Sprechstunde teils in Kiel, Holtenauer Str. 79, Haltestelle Waitzstr. von 8-13 Uhr und 15-18 Uhr teils in Malente, Lindenallee 3 von 8-13 Uhr und 15-1 Uhr ab. Sprechstunden des Leiters Prof.Bichlmayr der Klinik in Kiel Holtenauerstr. 79, Mittwoch und Freitag 8-13 Uhr, Ruf 3070; in Malente Montag, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend 8-12 Uhr. Ruf 263 sonst nach Verabredung. Bei den in kieferorthopädischer Behandlung befindlichen Kindern und Erwachsenen ist regelmäßige Kontrolle nunmehr wieder möglich und im eigenen Interesse dringend erforderlich. Prof. Bichlmayr.

8.12.1945 SN Zahn- und Kieferklinik der Universität Kiel Abt. Schleswig, Lutherstr. 9, Leiter Prof.Dr.Dr.Bichlmayr, Sprechstunden täglich 9-12 Uhr und 15-17 Uhr außer Mittwoch- und Sonnabendnachmittag I.A.Dr.von Osten

23. Entwicklung der Zahnärztemengen von 1976 bis 2008

Die Entwicklung der Zahnärztezahlen von der Praxis des Verfassers in Schleswig-Friedrichsberg aus betrachtet:
- braune Linie. alle Zahnärzte 0 bis 4,5 km
- blaue Linie: Stadt Schleswig 1,6 bis 4,4 km
- gelbe Linie: Schleswiger Umland 4,5 bis 21 km
- rote Line: Schleswig-Friedrichsberg 0 bis 1,5 km

Die Verteilung der Zahnärzte ist ungleich:

Grob gesagt ist
- im Friedrichsberg eine Verdoppelung
- in der Stadt Schleswig eine Stagnierung
- im Umland eine Verdreifachung
der Zahnärztezahlen zu verzeichnen.

Verhältnis Zahnärzte : Patienten:
- Sl-Friedrichsberg 1 : 540
- Stadt Schleswig 1 : 950
- Gesamter Kreis Schleswig-Flensburg ohne Schleswig 1 : 2600

Welche Wege nehmen Stammpatienten auf, um ihren Zahnarzt aufzusuchen?
Im Rahmen seiner Dissertation (1993) errechnete der Verfasser aus seiner Patientenkartei folgende Wege:


 

24. Zähne im Theater und Kino
Theaterstück in Schleswig:
   1876: Der Zahn, von Roskowska
Filme in Schleswig:
   1907 Schmerzhaftes Zähneziehen
   1919 Hindenburg hat Zahnschmerzen, Kindervorstellung
   1920 Emil hat Zahnschmerzen
   1920 Fräulein Zahnarzt, mit der Schauspielerin Mia May

25. Besondere Methoden in den Zeitungs-Anzeigen
31.12.1904 Schleibote: Dentist Banneck bietet Durchleuchtung an.
23.12.1906 SN: Dentist Spangenberg bietet "Auf Wunsch schmerzloses Zahnziehen durch Adrenalin-Injektion" an.
7.5.1917 SN: Dentist Anthon: "Anfertigung von Gebissen aus feinstem Para-Friedenskautschuk, keine Kriegsware!"

26. Zweigpraxen
Es gab auch Zahnbehandler mit Zweigpraxen, wie die folgende Liste beweist:

Sie mieteten tage- oder stundenweise einen Raum im Hotel oder privat.
Mehr als Zähneziehen war dort wohl kaum möglich.
Da z.B. Anthon immer mit dem Motorrad unterwegs war, konnte er nicht viel an Gepäck mitnehmen.

27. "Das Lied vom Zahnarzt"
Am 7.1.1935 erschien in den SN folgender Text mit Bild:
"Die deutsche Zahnärzteschaft hat mehrere fahrbare Zahnkliniken eingerichtet, mit denen die Kinder entlegener Ortschaften besucht und behandelt werden. Wie unser Bild von der Arbeit dieser Schulzahnkliniken zeigt, werden die kleinen Patienten vor der ganzen Klasse behandelt. Beim Gesang des Liedes vom Zahnarzt - "Der Zahnarzt zieht die Zähne aus, oben, unten, vorne hinten, rechts und links" - werden die Schmerzen gelindert."


 

28. Zahnarzthelferinnen
Am 22. November 1940 wurde die Zahnarzthelferin als Ausbildungsberuf durch den Reichsarbeitsminister Dr.Timm staatlich anerkannt. 9)
Die Zahnarzthelferinnen waren damals beim Röntgen großen Gefahren ausgesetzt, wie Heinrich schrieb:
"Eine besondere Vorsicht ist geboten bei Röntgenapparaten. Ist ein Röntgenapparat unter Strom gesetzt, so darf man die bei vielen Modellen frei im Raume laufenden stromzuführenden Drähte, die hochgespannte Ströme von 45000 bis 60000 Volt führen, nicht berühren oder mit ihnen in Berührung kommen. Die zahnärztliche Hilfsschwester muß daher auf der Hut sein, daß Begleitpersonen von Kranken nicht zu nahe an den Apparat gehen. ..... Wird der Helferin aber aufgetragen, den Film im Munde des Patienten zu halten, dann nehme sie zu dieser Fixierung jeweils immer einen anderen Finger, um die Summierung der Strahlen auf eine Stelle zu vermeiden." 10)

29. Anmerkungen (LAS = Landesarchiv in Schleswig)
  1. Satzung der Zahnkünstlerinnung vom 18.7.1881. Medizinalkollegium, rsm. 1, 0-1, Staatsarchiv Hamburg.
  2. Tietjens, Hans Peter: 200 Jahre gewerbliche Berufsschulen in Kiel. Edition Barkau, Großbarkau, 1995. Seite 162-163, im LAS Schleswig Abt. 309 findet man die Prüfungsunterlagen vieler Schleswiger Dentisten
  3. Sozialgerichtsurteil vom 17.1.1968 S 8 Ka 12/67 -, Bundesverfassungsgerichts-Urteil 1 BvR 224/67 vom 24.2.1969
  4. Dank an Herrn Dr. Aust
  5. LAS Abt. 309 Nr. 35020
  6. http://www.falkritter.homepage.t-online.de/gebissaufkaeufer.html Teil der Veröffentlichung: Lohse,U.; Ritter,F.: Kaufe Gebisse, pro Zahn eine Mark. Zahnärztliche Mitteilungen. 1.4.1999, S. 102 - 108
  7. Viele Berichte in den SN, LAS Abt. 320 Schleswig Land, Nr. 183, LAS Abt. 320 Schleswig L., Nr.129
  8. LAS Abt. 320 Eckernförde Nr. 824
  9. Netzband, Katja: Die Geschichte der Zahnarzthelferin in Deutschland. Diplomarbeit, Berlin 2000
10. Heinrich, Erich: Die Helferin des Zahnarztes. Berlin 1936, S.128-129

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