Biographien der Zahnbehandler und Barbiere

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Im folgenden alphabetisch-biographischen Teil sind alle Zahnbehandler aufgeführt, die im Kreis Schleswig behandelten oder inserierten. Nicht aufgeführt sind: die Barbier-Chirurgen von Schleswig und Friedrichstadt, weil sie in eine Chronik der Friseure gehören; Ausnahmen: Hellweg, Hitscher, Jacobsen, Jessen, Nusbaum, Schröder und Stuhr.

Christian Ahrendt
am 12.7. 1827: "Da ich mich seit einiger Zeit mit Schröpfen oder sogenanntes Kopfsetzen befasset; so habe mich einem geehrten Publico in dieser Rücksicht, sowie auch mit Aderlassen, Leichdörnerschneiden, Zähne ausziehen und reinmachen s.w.d.a., bestens empfehlen wollen. Friedrichstadt, den 3ten Juli 1827. Christian Ahrendt." Die fehlende Berufsbezeichnung läßt vermuten, daß er ein Pfuscher war, die fehlende Adresse, daß er in Friedrichstadt wohnte und bekannt war.

Aron van Ameringen,
Anzeige am 26.9.1871: "A. van Ameringen Zahnarzt hat die Ehre, ergebenst anzuzeigen, daß er hierselbst angekommen ist, im Hotel "Stadt Hamburg" logirt und sich mit allen in das Gebiet der Zahnheilkunde einschlagenden Operationen befaßt. Unbemittelte finden Berücksichtigung und wollen sich dieselben Vormittags von 8-10 Uhr einfinden. Friedrichstadt, den 18.Septbr. 1871. Aufenthalt nur einige Tage. Unterzeichneter hat Gelegenheit gehabt, sich mit den Leistungen des Zahnarztes Herrn van Ameringen bekannt zu machen und kann denselben seine volle Anerkennung zollen und dieselben allen Zahnleidenden anempfehlen. Augustenburg, den 22. Juni 1871. P. Carsten, Dr.med." Aron van Ameringen war ein jüdischer Zahnarzt aus Rotterdam, der auch in Dänemark und Schweden als reisender Zahnarzt tätig war. 1858 versuchte er es auch in Norwegen, wo er aber eine Absage bekam. 134a)

Am 28.3.1883 erschien im Kappelner Schleiboten folgende Anzeige:

Am 13.6.1884 wurden Grundbuchauszüge im Schleiboten veröffentlicht. Diese wiesen Asmussen als Eigentümer seines Hauses aus (Gr.St.H.N.Artikel 308). Asmussen war somit kein armer Mann. Asmussen wiederholte seine Anzeigen in 14-tägigem Abstand bis zu seinem Tode im Jahre am 13.12.1890. Er war 41Jahre alt, als er "sanft" von seinem langen und schweren Leiden erlöst wurde, wie es in der Todesanzeige hieß. Sein Geschäft wurde erst von seiner Witwe weitergeführt, 67 die es 1892 an Bernh. Schulze und dieser 1895 an Fr. Thomsen verkaufte. Asmussen, seine Nachfolger und deren Konkurrent Francke jr. hatten alle fast identische Anzeigen.

Am 22.9.1899 inserierte der Barbier Johs. Asmussen im Schleiboten, daß er sein Geschäft in Gelting eröffnet habe.

F. Bätjer
eröffnete sein Geschäft am 19.4.1894 in Friedrichstadt wie folgt: "Geschäftseröffnung. Dem geehrten Publikum von Friedrichstadt und Umgegend zur gefl. Kenntniß, daß ich am heutigen Tage ein Zahnatelier im Hause des Herrn Danckleffen eröffnet habe. Meine langjährigen Erfahrungen und mein zweijähriger Aufenthalt in New=York zwecks Studium der Amerikanischen Zahnheilkunde und Technik, befähigt mich, dem geehrten Publikum die besten Arbeiten zu liefern: in Gebissen, Plombiren, Reinigen etc., und halte ich mich dem geehrten Publikum bestens empfohlen. Hochachtungsvoll Deutsch=Amerikanisches Zahn=Atelier F.Bätjer, Zahnartist." Er wohnte erst in der Prinzenstr. Nr. 7, ab 1895 in No. 21. Wie Bufleb war auch er ein eifriger Inserent, der sich am 7.2.1895 noch ein zweites Standbein mit der Eröffnung einer "Buch= und Schreibwaarenhandlung" schuf. Bätjer war zuletzt nachweisbar im Adreßbuch Schleswig-Holstein von 1904. 135)

Am 1.10.1897 gab der Zahntechniker Otto Banneck in Kappeln bekannt, daß er sich "Mitte dieses Monats im Hause der Wwe. Bernhardt, an der Schlei (neben dem Bahnhof) etabliren werde." Ein Jahr später bezeichnete er sich als den einzigen "Spezial=Zahntechniker am Platze" , ab 1899 nannte er sich sogar Dentist und bot seine Dienste auch im Angler Hof in Süderbrarup an. Banneck arbeitete mindestens bis 1910.

Am 22.12.1892 erschien die Niederlassungsanzeige des Zahntechnikers H.Bauer in Schleiboten Siehe Seite 34!). Bauer war der Zahnbehandler mit dem größten öffentlich angebotenen Behandlungsspektrum. Er war bis 1897 nachweisbar. Er inserierte: "Einem geehrten Publikum von Süderbrarup und Umgegend, sowie meinen Freunden und Gönnern die ergebene Anzeige, daß ich am 1. November eine Anstalt für künstliche Zähne, Plombirungen etc. eingerichtete habe. Meine mehrjährige Thätigkeit auf dem Gebiete, sowie die Studien, welche ich in der größten und preisgekrönten zahntechnischen Schule Berlins absolvirte, setzen mich in den Stand, den weitgehendsten Anforderungen der Neuzeit Genüge zu leisten. Zahnersatz. Künstliche und naturgetreueste Zähne, sowohl einzelne als ganze Gebisse, werden schmerzlos ohne Einpassen, ohne Herausnahme vorhandener Wurzeln eingesetzt. Bequemes und leichtes Tragen vorzüglich zum Beißen. Für kunstgerechte Ausführung ganzer Gebisse pr. Zahn 3 M an nach den neuesten praktischen Verbesserungen, wie auch Brauchbarmachungen nicht passender 68 Gebisse leiste Garantie. Plombirungen. Regulirung schiefgewachsener Zähne. Obturatoren für defecte Gaumen. Plombiren, Nervtödten u. Reinigen der Zähne. Plomben von neubewährtem Füllungsmaterial in Gold, Silber und Emaille zu mäßigen Preisen in bester Ausführung. Zahnoperation schmerzlos mittelst Cocain oder Lachgas und Electricität. Narcosen finden nur statt unter ärztlicher Assistenz. Reparaturen werden umgehend gemacht. Süderbrarup. Hochachtungsvoll H.Bauer, geprüfter Zahntechniker und Operateur."

Am 31.3.1790 inserierte in Schleswig: "Der Operateur Bernhardt, welcher von dem Königl. Preussischen, wie auch von dem Göttingischen und Kielischen Ober=Collegio Medico, und auch von berühmten Aerzten, mit den besten Attestaten seiner Geschicklichkeit versehen, ist von Hannover allhier angekommen. Er nimmt Zähne mit der größten Geschicklichkeit heraus, sezet neue wieder ein, und reiniget die Zähne vom Scharbock und Brand aufs beste, dabey sie ihre Glasur behalten. Auch ist bei ihm zu haben, ein Zahnpulver, die Zähne damit zu reinigen, die Schachtel kostet 1 Mark; ferner noch eine Tinctur, die losen Zähne damit wieder vest zu machen, das Glas zu 1 Mark. Auch nimmt er gleichfalls Leichdornen und Krähenaugen mit großer Geschicklichkeit heraus, vertreibt die Warzen an den Händen, und befreiet von eingewachsenen Nägeln. Arme erhalten unentgeldliche Hülfsmittel, nur müssen sich selbige bei ihm in der bestimmten Zeit, des Morgens von 8 bis 9, und Nachmittags von 3 bis 4 Uhr einfinden. Sein Aufenthalt allhier wird nicht lange sein. Er logirt bei der Madame Bruhn."

Johann Christian Friedrich Besser war wohl der bedeutendste Zahnarzt im Kreis Schleswig des 19. Jahrhunderts. Insgesamt hatte er drei Berufe erlernt: Drechsler, Zahnarzt und Daguerreotypist. Besser wurde am 14.11.1803 in Schleswig 136) als Sohn des Drechslermeisters Richard Besser geboren, bei dem er diesen Beruf erlernte. Wo er seine Gesellenjahre verbrachte, ist nicht bekannt. 1828 erwarb er in Schleswig seinen Meistertitel mit einem gedrechselten Schachspiel aus Pflaumen- und Buchsbaumholz 137). Danach eröffneten er und vermutlich sein Vater als Besser et Comp. eine Drechslerwerkstatt am Lollfuß. 1829 boten sie Arbeiten in allen Arten von Metall, Bernstein u.a. Materialien an, auch echte "meerschaumene und porzellainen Pfeifenköpfe"138). Für sein Spinnrad bekam Besser 1831 vom Verein zur Beförderung bürgerlichen Gewerbes eine Auszeichnung. 139) Besser heiratete vermutlich 1834 die Kopenhagenerin Henriette Bielke. 140,141) Sie schenkte ihm zwei Töchter 142, 143). Die Ehe wurde zwischen 1845 und 1855 geschieden. 144) Wie Besser dazu angeregt wurde, Zahnarzt zu werden, ist nicht überliefert. Laut Danske Tandlæger 117) bestand er am 12.11.1834 in Kopenhagen an der Chirurgischen Akademie die Prüfung als Zahnarzt mit der Note "gut" im theoretischen und im praktischen Teil. Nach Besser wurde in der Zeit von 1834 bis 1853 in Kopenhagen kein Candidat mehr zur Zahnarztprüfung zugelassen, weil man Rücksicht auf die vielen jungen Ärzte 69 nehmen wollte, welche Schwierigkeiten hatten, eine erforderliche Beschäftigung zu finden. Durch ein Versehen erhielt Besser nur ein Zeugnis über das Bestehen des praktischen Teils, was ihn wohl dazu bewog, das Zahnarztexamen 1839 vor dem Schleswig-Holsteinischen Sanitätscollegium in Kiel noch einmal mit Erfolg zu wiederholen. Am 26sten November 1834 gab er im Intelligenzblatt von Schleswig folgende Anzeige auf:
"Einem hohen Adel und einem verehrungswürdigen Publico mache ich hiedurch die ganz ergebenste Anzeige, daß ich nunmehr von Kopenhagen, wo ich die Zahnarzneikunde studirt und das vorschriftsmäßige Examen bestanden habe, retournirt bin und hier die Zahnarzneikunde praktisch auszuüben gedenke. Lust und Liebe zu diesem Fache bestimmten mich, noch in reiferen Jahren mich demselben zu widmen, ein günstiger Erfolg hat mein Bemühen gekrönt; möchte denn auch die Hoffnung mich nicht täuschen, daß meine Vaterstadt mir ihr Zutrauen in dem Grade schenken möge, wie Fremde zeither es sich zu erfreuen so glücklich gewesen sind. Stets wird mein Bestreben dahin gehen, durch die gewissenhafteste und pünktlichste Bedienung das mir gütigst geschenkte Zutrauen zu rechtfertigen. J.C.F.Besser jun, privilegierter Zahnarzt."
Seine häufigen Umzüge und das Festhalten an seinem Drechslerberuf lassen darauf schließen, daß man mit Zahnheilkunde nicht viel Geld verdienen konnte (Siehe hierzu auch das Kapitel Verdienst!). 1837 bot er eine neu erfundene Art Pariser Metallique=Zähne an. 145) (Siehe hierzu auch das Kapitel "Zahnbehandlung bis 1823" !) Seine letzte Adresse in Schleswig war 1840 bei dem Instrumentenmacher Hinrichsen am Dom im 4.Q.No 66 = Süderdomstr.7. 146) Besser zog dann nach Flensburg. 147) 1842 reiste er nach Kopenhagen 117), 1841, 1843 und 1844 nach Schleswig 148, 149, 150) und 1846 141) nach Tondern. In Flensburg praktizierte er bis zu seinem Tode am 19.3.1865. Sein Schleswiger Kollege Neupert veröffentlichte am 2.4.1865 in Schleswig folgenden Nachruf:
"Den 19ten März starb in Flensburg der Zahnarzt C.F.Besser. Er war einer der tüchtigsten Zahntechniker, dessen vorzügliche Leistungen selbst im "Zentralverein für deutsche Zahnärzte" sich einer rühmenden Anerkennung erfreuten. Diese Anzeige widmet seinen Freunden, Bekannten und Patienten in Schleswig der vieljährige Freund und College des Verewigten Fr. Neupert, Zahnarzt"
Die Bezeichnung "Zahntechniker" weist darauf hin, daß Bessers Stärken mehr im technischen als im chirurgischen Teil der Zahnheilkunde lagen. Der Hinweis "Zentralverein" ließ den Autor in der Deutschen Vierteljahresschrift für Zahnheilkunde fündig werden, denn Besser nahm an der 3. und 5. Jahresversammlung (1861 und 1863) des Centralvereins Deutscher Zahnärzte teil. Der Centralverein war der Vorläufer der Deutschen Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde und das erste wissenschaftliche Forum der Zahnheilkunde im Bereich des späteren Deutschen Reiches. Bessers Bedeutung liegt darin begründet, daß er nachweislich der erste wissenschaftlich tätige Zahnarzt in Schleswig-Holstein war. 152) Über die erste Tagung des Centralvereins 1859 existiert leider kein Bericht in den Vierteljahresschriften für Zahnheilkunde, aber in den Tagungen von 1860 bis 1863 war außer ihm kein Zahnarzt aus Schleswig-Holstein in den penibel geführten Anwesenheitslisten vermerkt. 153) 1861 154) 70 schilderte er seine Erfahrungen mit Zinnfolie als Füllungsmaterial und einer Metallkapsel als Matrize beim Füllen der Zähne. Ferner stellte er eine von ihm verbesserte Version des Zahnschlüssels vor. Der Zahnschlüssel war ein Zahnextraktionsinstrument. In Wilhelm Buschs Geschichte "Der hohle Zahn" wird selbiger vom Doktor mit einem Zahnschlüssel (dort "Haken" genannt) gezogen.

Während dieser Tagung wurde er zum ordentlichen Mitglied des Centralvereins gewählt.1863 155) schilderte Besser seine Erfahrungen über die Folgen des Zahnsteinentfernens auf die betroffenen Zähne und über eine Blutstillungsmethode mittels Speck. Während dieser Tagung bewarb er sich mit einer Kautschukarbeit gegen drei Mitbewerber um einen ausgeschriebenen Preis von 20 Thalern, den er aber nicht erhielt. Besser erlernte noch einen 3. Beruf, nämlich den des Daguerreotypisten, worüber bereits Steen 156) veröffentlichte. Im Itzehoer Wochenblatt vom 11.8.1843 wird vom Flensburger Korrespondenten darauf hingewiesen, daß "... die Daguerreotypie, eine der bewunderungswürdigsten Erfindungen der Neuzeit ... vielleicht schon in der nächsten Zukunft Resultate liefern (wird), die bis jetzt noch in das Reich der Chimäre verwiesen werden.... In unserer Stadt (Flensburg) hat sich der Zahnarzt Besser mit Glück auf die Verfertigung der Lichtbilder gelegt. Er kann sich mit seinen Leistungen mit jedem Konkurrenten messen." 71 Leider sind keine signierten Daguerreotypien von ihm erhalten. Es gibt lediglich zwei Bilder, die deshalb von ihm stammen könnten, weil kein anderer dafür in Frage kam. 156) Interessant ist in diesem Zusammenhang die Parallele zu Adolph Brütt, dem ersten niedergelassenen Zahnbehandler von Fehmarn (1858), der Barbier und Photograph war. 6)

23.2.1868 Schleswiger Nachrichten: "Zahnarzt Dr.Block, Berlin, Unter den Linden 54/55 /1.Et. wird im Kurzem in Berufsgeschäften in Schleswig verweilen." Da der Vorname fehlte, konnte über ihn nichts Näheres gefunden werden.

Carl Bolten
kam am 1.6.1898 aus Berlin nach Schleswig , um vermutlich bei Doll zu arbeiten. Er wurde am 15.3.1876 in Ruhleben, Kreis Oldenburg geboren. 157) Am 10.8.1899 zeigte er in seiner Praxiseröffnungsanzeige im Eiderstedter und Stapelholmer Wochenblatt an, daß er in Husum, Markt 7, der "einzige Zahnarzt am Platze" sei. Bolten war auch auf dem wissenschaftlichen Sektor sehr aktiv: Während der 25. Jahresversammlung des Vereins schleswig-holsteinischer Zahnärzte 1899 in Kiel "... erhielt Herr College Bolten-Schleswig zunächst das Wort, um über praktische Winke für Operationszimmer und Laboratorium zu sprechen." Er stellte eine verbesserte Injektionsspritze und ein neues Verfahren für Gipsabdrücke vor und schilderte seine Erfahrungen mit dem Anästhetikum Nirvanin. Auch veröffentlichte er im gleichen Jahr einen Artikel über "Pulpitis veranlasst durch Resorption". 158) 1919 und 1933 gab er zwei Bücher heraus: "Mundhygiene im Kindesalter." und "Die Zähne, ihre Erkrankungen, Behandlung und Pflege. Volkstümlich beschrieben." Er war Mitglied der Zahnärztekammer und 1920 Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Deutscher Zahnärzte. 159) In den Adreßkalendern der Zahnärzte wurde Bolten bis 1922 in Husum geführt. Im Jahr darauf wanderte er nach Brasilien aus. 160)

5.9.1895 F : "Ich reise monatlich zwei Mal nach Schäfer Ast in Radbruch. J.C.Brügmann, Barbier in Hollingstedt (Schleswig)"

1893 und 1894 erschienen 24 Anzeigen in Friedrichstadt: "Für Zahnleidende! Den geehrten Einwohnern von Erfde und Umgegend zur Anzeige, daß ich im Hause des Herrn J.P.Claussen in Erfde ein Zahn=Atelier eingerichtet habe und empfehle mich zum Anfertigen ganzer gebisse sowie zum Plombiren und Reinigen der Zähne. Hochachtungsvoll H.Büch. NB. Anwesend jeden Mittwoch von 8-12 Uhr in Süderstapel beim Gastwirth Hollmer."

Ernst Bufleb
stellte sich am 7.10.1873 in Friedrichstadt zum ersten Male so vor: "E.Bufleb, Gold= und Silberarbeiter und Zahntechniker in Friedrichstadt, empfiehlt sich zur Anfertigung einzelner Zähne und ganzer Gebisse in Kautschuk sowie in Gold unt. Garantie. Reparaturen an Gebissen werden baldmöglichst ausgeführt." Bufleb war ein sehr eifriger Inserent, der bis zu 50-mal im Jahr inserierte. In Extra-Anzeigen bot er auch seine Dienste als Gold= und Silberarbeiter an. Ab dem 2.3.1880 schmückte er wie seine Kappelner Kollegen seine Anzeigen mit einer Prothese. Ab 1881 nannte er sich Zahnkünstler. Kurz vor seinem Tode (4.10.1892) verzierte er seine Anzeigen mit dem Bild einer jungen, lächelnden Frau mit Perlenkette um den Hals.
Sein Selbstmord muß qualvoll gewesen sein, denn er vergiftete sich lt. Zeitungsbericht am 4.10.1892 selbst mit Goldwasser, womit wohl Königswasser gemeint war, eine Mischung aus Salz- und Salpetersäure, mit der man Gold auflösen kann. Er hinterließ eine Tochter und eine Witwe, die das Gold- und Silbergeschäft weiterführte.

In der Zahntechnischen Reform 1881 Seite 76 veröffentlichte die "Gyps-Fabrik L.Mundt vorm. H.Kühne, Berlin SW, Lindenstr.69" eine große Anzeige mit einer Liste ihrer "zufriedenen" Kunden, in der auch "Bufleb, Friedrichstadt a. d. Eider" aufgeführt wurde.

Der Zahnarzt Calais wurde vom 12.5.1824 bis 27.3.1826 6-mal als "Durchreisender" in Schleswig registriert. Er kam immer aus Hamburg und fuhr nach Rendsburg, Flensburg und Augustenburg. In Schleswig hat er wohl nie Halt gemacht. Laut Zahnärztlichem Almanach 34) gab es in Hamburg 1877 den Zahnarzt Dr. med. & chirurg. Pierre Calais (Univ. Göttingen 1857), Dr. of Dental Surgery (Pennsylv. College of Dent. Surgery 1859), approb. im Freistaate Hamburg 1857. Adresse: Hamburg, 17 Hohe Bleiche. Auch gab es einen in Hamburg approbierten Arzt mit dem Namen H.Pierre Calais, der 1896 in Freiburg i.B. 1896 über das Thema "Ueber Varicen im ligamentum latum ..." promovierte. 113) Bei diesen drei Personen könnte es sich um Großvater, Vater und Sohn gehandelt haben.

C. Carstens:
Am 20.4. 1873 erschien die erste Anzeige eines niedergelassenen Zahntechnikers in Schleswig: "Zur Anfertigung und Einsetzung künstlicher Zähne und Gebisse empfiehlt sich unter Garantie C.Carstens Friedrichsberg No 46" Die Vornamen von Carstens waren Christoph Georg Markus. Er wurde am 16. Mai 1843, als Sohn eines Faktors geboren. 161) Im Adreßbuch für die Herzogthümer 73 wurde er 1869 als "C.Carstens, Uhrmacher, Schulberg" geführt. 162) In den späteren Adreßbüchern von Schleswig wird er immer als Uhrmacher und Zahntechniker erwähnt. Ihm gehörte laut Grundbuchverzeichnis vom 30.8.1884 (in den Schleswiger Nachrichten veröffentlicht) das Haus 8.Q.No.45. Carstens veröffentlichte regelmäßig seine kleine Anzeige, die er auch nie änderte. Er wohnte gegenüber der Stelle, wo der Friedhofsgang in die Friedrichstraße mündet (Friedrichstr. 65-67). Carstens starb am 12.8.1905, 4 Jahre nach dem Tod seiner Frau und hinterließ eine Tochter. 161) 1931 erschien in den SN eine Beschreibung seines Geschäftes:
"Friedrichsberg in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, Ein Brief von Hk. Kopie: Teil 2: "Gehen wir weiter, so sehen wir vor dem nächsten Haus des Uhrmachers Carstens einen kleinen Aushangkasten mit künstlichen Gebissen. Es ist ja ganz selbstverständlich, daß in dieser Zeit, in der es noch keine Zahnärzte oder Techniker gibt, der Uhrmacher nicht nur die Uhren, sondern auch die menschlichen Gebisse in Ordnung hält. Die Vorübergehenden machen an diesem Kasten aber ihre Zahnstudien, und mancher von ihnen möchte wohl zu gerne wissen, wer sich denn eigentlich solche Kunstzähne einsetzen läßt."

In Kappelns Volkszählliste von 1803 163) konnte der 50-jährige Chirurgus Thomas Jacob Clausen in der Nordmarkstraße No.1 als erster Zahnbehandler gefunden werden.Er war unverheiratet und lebte mit seiner Schwester und deren Tochter einschließlich Dienstmädchen zusammen. Er war zur medizinischen und chirurgischen Praxis concessionirt. 123)

Am 18.8.1881 S offerierte der "amerikanische Zahnarzt" Dr.W.Dammann aus Kiel, Schuhmacherstr. 2 seine Conturfüllungen in Gold.

Israel David
wurde um 1779 in Sachsen geboren und war der erste nachgewiesene Zahnarzt im Kreise Schleswig im 19. Jahrhundert. Seine erste Anzeige sah so aus:
"Israel David, welcher mit vielem Glück und allgemeiner Zufriedenheit abgenutzte, unbrauchbare Zähen aushebt, und statt deren neue, lebendige so wieder einpflanzt, daß sie jedes Geschäfte guter, gesunder Zähne mit gewöhnlicher Leichtigkeit bestreiten, empfiehlt sich mit dieser neuen, in unserm Lande noch wenig exercirten Kunst, einem hochgeehrtesten Friedrichstädter Publikum ganz ergebenst. Friedrichstadt, den 2ten August 1802."
Am 13.2.1803 wurde er in "Goschs Gasthof" in Schleswig-Friedrichsberg als unverheirateter Mieter bei der Volkszählung registriert. 127) Am 25.12.1816 wohnte er im Friedrichsberg bei dem Maurermeister Tränckner und legte Wert darauf, daß niemand auf seinen "Namen, als gegen baare Bezahlung", etwas kaufen dürfe. Am 17.7.1823 logierte er bei dem Schiffer Bielefeld vor dem Holmer Thor in Friedrichstadt und warb mit dem Einsetzen von Zähnen, "wo man Nüsse mit aufbeissen kann." Seine letzte Spur war die Anzeige in Schleswig vom 28.12.1842, in der mitteilte: "Ein Besteck mit Instrumenten ist verloren gegangen. Der Finder wird ersucht, solches wieder abzuliefern an den Zahnarzt David". Die Nichtangabe seiner Adresse deutet darauf hin, daß allgemein bekannt war, wo er zuletzt gewohnt habe. Ob man seinen Status als reisender oder niedergelassener Zahnarzt bezeichnen soll, kann hier nicht geklärt werden.

Christian Friedrich Diercks
wurde am 3.7.1808 in Rostock als Sohn des Zimmermeisters Heinrich Friedrich Diercks geboren. 165) Zum ersten Mal tauchte er in Schleswig bei der Volkszählung im Jahre 1835 im Hause des Gastwirts Jacob Friedrich Hunck als Kaufmann 166) und Weinhändler 167) auf. Sein weiterer Lebensweg läßt sich aus der Kombination der vorhandenen Daten so rekonstruieren: Er verliebte sich in die gleichaltrige Tochter seines Wirtes, heiratete sie am 16.2.1836. 167) Sein 54-jähriger Wirt 166) war früher von Beruf 74 Chirurgus 168), der diesen Beruf vielleicht aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mußte. Um den potentiellen Schwiegersohn an Schleswig zu binden und um ihm zu einer Existenz zu verhelfen, zeigte er ihm seine früheren chirurgischen Instrumente und erweckte in ihm so das Interesse für diesen Beruf. Da der 3. Pate seines ältesten Sohnes 1838 der Zahnarzt Doctor Christoph Heinrich Jantzen in Rostock war 169), kann man davon ausgehen, daß er sich von diesem weiter ausbilden ließ und vielleicht in Kiel beim Sanitätscollegium die Prüfung als Zahnarzt ablegte. 1839 und 1842 gebar ihm seine Frau noch zwei weitere Söhne. 170) Während der Volkszählung des Jahres 1840 171) wurde er zum ersten Mal als Zahnarzt im 3. Quartier No.38/39 registriert, heute Rathausmarkt 18. Am 9.10.1840 übernachtete er in Eckernförde in Dehn´s Gasthof. Dieser fremdenpolizeiliche Eintrag weist ihn auch als reisenden Zahnarzt aus. 172) Diercks wechselte häufiger seine Adresse, was wie bei Besser auf finanzielle Probleme hindeutet. Daß er zeitweise in großen finanziellen Schwierigkeiten steckte, beweist folgende Anzeige vom 9.6.1858:
"Der Zahnarzt Diercks in Schleswig schuldet uns seit 1854 36 Rbth 58 ß . Sollte jemand geneigt sein, diese Schuld für 26 Rbth 64 ß zu übernehmen, so wolle er sich an uns wenden. Richard Fürth & Cp. Heuberg No 16 Hamburg"
Bis zu seinem Tode am 1.9.1875 165) wohnte er zwar im Einzugsbereich der Domgemeinde, aber nicht mehr in Schleswig. 173) Es gibt eine quittierte zahnärztliche Rechnung von ihm aus dem Jahre 1842. Dies ist übrigens die einzige zahnärztliche Rechnung, die noch aus dem 19. Jahrhundert in Schleswig nachgewiesen werden kann. Sie enthält folgenden Text: 174) "S.T. Herrn Christian Matthiesen Debet An Zahnärztliche Bemühungen bei der Demoiselle Nissen am 4.ten April u. 9.ten Septbr. Courantmark. 4 ß dankend empfangen C.F.Diercks Zahnarzt Schleswig, d. 31. Decembr. 1842" Leider steht in der Rechnung nicht, um welche zahnärztlichen Leistungen es sich handelte. Wie Besser und Neupert übte er nebenbei noch einen weiteren, nämlich seinen alten Beruf des Kaufmanns aus, denn am 22. 2. 1843 schrieb er in einer Anzeige: "Platina - Schwämme von vorzüglicher Güte, einzeln und bei Dutzenden, verkauft Diercks, Zahnarzt." (Platina ist identisch mit Platin). Am 18.9.1850 bot er in einer großen Anzeige electro = magnetische Apparate für Medizin und Galvanik zum Verkauf an. Siehe auch die Kapitel "Elektrizität" und "Kautschukprothesen"!

Bild 14: Rechnung von Zahnarzt Diercks am 31.12.1842 76

Von 1882 bis 1894 bot der Zahnarzt E.W. Dörfer den Patienten in Schleswig seine Dienste in Rendsburg an. 175) Er wohnte dort erst in der Neuen Str. No. 4, zuletzt in der Schleifmühlstr.14. Dörfer erhielt seine Approbation im Jahre 1880 176). Er war ein rühriger Standespolitiker, der z.B. das Festprogramm für die Versammlung des "Vereins schleswig-holsteinischer Zahnärzte" 1888 organisierte 177). Dieser Verein war am 18.7.1875 in Rendsburg gegründet worden. Es gab 18 Gründungsmitglieder, er wurde von Friedrich Kleinmann (DDS. hon. caus. in Flensburg) und P.D. Dr.Fricke (in Kiel) bis 1900 geführt. 1933 wurde er aufgelöst. Nach dem 2. Weltkrieg erstand er neu unter dem Namen "Schleswig-Holsteinische Gesellschaft für Zahn- Mund und Kieferheilkunde". 178) Siehe auch das Kapitel "Konflikte"!

Julius Doll
gab am 14.10.1893 bekannt, daß er sich in Schleswig Stadtweg 11 als Zahnarzt niedergelassen habe.
"Sprechst.: von 9-12 1/2, u. 2-5 Uhr. Sonntags 11-12."
Er wurde am 13.4.1868 in Edenkoben geboren. 1888 absolvierte er in Speyer a.Rh. die Reifeprüfung. 116) Seine Enkelin, Frau Klekow, erinnert sich, daß er in der Schule Griechisch, Latein und Hebräisch gelernt habe. Er studierte in Kiel drei, in Berlin fünf Semester und erhielt die zahnärztliche Approbation am 6.6.1893. Doll inserierte regelmäßig.1894 führte er zusammen mit Dr.phil Greve die "Poliklinik für Mund-, Kiefer-, und Zahnkrankheiten", trennte sich aber bald wieder von ihm. Die Konkurrenz durch fünf Zahntechniker und neun Barbiere muß groß gewesen sein, denn 1895 hob er in seinen Anzeigen immer wieder hervor, der einzige "Zahn - Arzt am Orte" 179) zu sein. 1896 übernahm er die Praxisräume des Dentisten Martiens im Stadtweg 32. 180) Im Jahre 1900 heiratete er Lydia Padberg aus Köln, die ihm zwei Töchter und einen Sohn schenkte, welcher Arzt wurde. 181) Von 1906 bis zu seinem tödlichen Herzinfarkt am 17.10.1940 181) wohnte und praktizierte er im Stadtweg 45 - heute Radio Voigt. Er bildete viele Assistenten aus. Zu Dolls Personal gehörten laut An- und Abmelderegister der Stadt Schleswig im 19. Jahrhundert:

1.Jahr Name Vorname Beruf woher - wohin
1894 Greve, Dr.phil Christian Zahnarzt aus Schleswig
1897 Westphal Erich Zahntechniker aus Braunschweig
1897 Will Wilhelm Zahntechniker nach Hamburg
1897 Wendeler Otto Zahntechniker aus Schweidnitz
1898 Farren Johann Zahnarztlehrling Altona
1898 Bolten Carl Zahnarzt Berlin -Husum
1898 Lindemann Oskar Zahntechniker aus Hannover
1899 Zuckermann Paul Zahntechniker aus Rostock

Besonders im Jahre 1897 muß die Prothetik bei Doll einen großen Aufschwung erlebt haben, da er viele angestellte Zahntechniker brauchte. Der Zahnarztlehrling Farren war ein angehender Student der Zahnmedizin, der hier sein vorgeschriebenes praktisches Jahr absolvierte. Noch im Alter von 53 Jahren schrieb Doll seine Doktorarbeit. Ihr Titel war: "Die Zahn- und Kieferanomalien der Pfleglinge in der Provinzial- Idiotenanstalt Schleswig Hesterberg, ein Beitrag zu Idiotie und Gebiss. Med. Diss. Kiel 1921 Ref. Hentze" . 116) 77 Doll gehörte 1937 zu den Zahnärzten, die auf Initiative von Dr.Herting Schulzahnuntersuchungen betrieben. 122) Das folgende Bild zeigt Doll im Alter von etwa 53 Jahren. In der Altstadt-Apotheke gibt es von ihm noch ein Rezept: "Dr.Doll´s Mundwasser", siehe dazu im Kapitel "Rezepte"!

Bild 15: Dr. Julius Doll ca 1921.

Anzeige am 31.8.1878 S: "Zahnärztliche Anstalt von O.Eyrich aus Plön, Künstliche Zähne und Gebisse a Zahn 3 Mark werden aufs sauberste angefertigt, Reparaturen schnell beschafft, Plombiren und Reinigen der Zähne aufs beste besorgt. Sprechstunden bei Herrn J.W.Gundel von Morgens 8 bis Abends 6 Uhr. Anwesend vom 1. bis 3. Septbr." Gundel führte die Gastwirthschaft "zum Holst. Hause" im Lollfuß VII 247 125), heute "Hotel Skandia".

Anzeige am 25.11.1875 S: "Zahntechniker G.Feldtmann am Donnerstag den 25sten November in Schleswig No 107"
Feldtmann war 1869 in Kappeln Gold- und Silberarbeiter und setzte künstliche Zähne ein.

Als dritter Barbier in Kappeln konnte in der Volkszählliste von 1840 163) Carl Gottlieb Fran(c)ke (sen) gefunden werden. Er wurde 1815 in Ratzeburg geboren, war verheiratet und wohnte erst im 4. Quartier No.34, 1845 163) in der Querstraße 39, 1860 163) in der Querstraße 53. Seine Frau hieß Dorothea Elisabeth geb. Meiner, war ein Jahr jünger und in Lübeck geboren. Franke heiratete später noch einmal (eine Flensburgerin). Unter seinen 4 Kindern war ein Sohn mit gleichem Vornamen, der später in seine Fußstapfen trat.

Francke jr.
wurde 1845 geboren. Seine erste Anzeige (16.2.1891) erschien kurz nach dem Tode von Asmussen sah dessen Anzeigen zum Verwechseln ähnlich. "C.Francke jr., Zahntechniker und Heilgehülfe, Kappeln, Ecke der Quer= und Fabrikstraße, empfiehlt sich zur Anfertigung von künstl. Gebissen in Gold, Kautschuk, Celluloid etc. Nervtödten, Plombiren, Zahnreinigen usw." Er inserierte mindestens bis zur Jahrhundertwende. In dem Kapitel "Behandlung ohne Betäubung" schildert ein Patient seine Erlebnisse mit Carl Francke jr.

Johannes Gang
nannte sich Barbier, Friseur, Operateur und Zahntechniker und war von 1893 bis 1895 in Schleswig nachweisbar. Er wurde am 18.9.1861 in Schleswig geboren 157) und stand einem Haushalt von 6 Personen vor. Zuletzt lebte er im Lollfuß 96 . In seinem Zahnatelier bot er am 20.5.1894 u.a. "Zahnextractionen schmerzlos (locale Anästhesie) mittelst Electricität u.s.w." an.

Der Barbier Joh. Geertz eröffnete am 8.3.1891 K in Süderbrarup sein Barbier- und Friseurgeschäft. Er hatte sein erstes Geschäft in der heutigen Großen Straße 6, 79 einem Holzhaus. Um 1930 herum erhängte er sich selbst. 183)

Am 10.1.1894 K warb der praktische Zahnarzt A. Gerstenfeldt in Flensburg, Angelburger Str. 42 um Patienten.

J.Goslar
1796 Schleswigsche wöchentliche Unterhaltungen
"Der von der Hochlöbl. medicinischen Facultät in Kiel examinirte und dadurch bekannte Zahnarzt Goslar, der in Schleswig bey Ihro Köingl. Hoheiten, bey Ihro Durchl. der Prinzessin Louise von Augustenburg und bey vielen andern Standespersonen Proben seiner besonderen geschicklichkeit abgelegt hat, auch deshalb die sichersten beweise beyzubringen vermögend ist, empfiehlt sich einem geehrten Publico auf das ergebenste. Er setzt:
1. Zähne geschcikt ein
2. Beschädigte und hohle Zähne, wenn sie gleich gänzlich abgefressen und vom Zahnfleisch überwachsen sind, nimmt er ohne alle gefahr und ohne viele schmerzen aus.
3. Verbindet er sich, in einigen Minuten die Zähne so weiß wie schnee zu machen, und zwar mit einer Materie, die weder die Zähne noch das Zahnfleisch angreift.
4. Lose Zähne macht er, wenn auch gleich das Zahnfleisch gänzlich weggefressen sein sollte, wieder fest und befördert in kurzer Zeit das Wachstum des Zahnfleisches; auch ungleiche Zähne macht er gleich.
5. Hat er ein gutes Mittel, das Zahnfleisch wachsend und die Zähne fest zu machen; und unter mehreren Mitteln die Zähne zu conserviren, führt er auch das Zahnpulver Optat Royal oder die sogenannte Latwerge bey sich.
6. Führt er gutbewährte Zahntropfen mit Baumwolle auf den Zahn gelegt werden, wo sich die schmerzen sogleich verlieren. Respektive Herrschaften und andre, die mir zusprechen wollen, belieben sich vormittags von 8-12 Uhr und Nachmittags von 1-4 Uhr in meinem Logie einzufinden. Auch bin ich erbötig, Herrschaften in ihrem Hause aufzuwarten. Herschaften zahlen nach belieben, die Armen bediene ich umsonst. Logire bey herrn Hansen am Damm. J.Goslar"

Dr. phil. Greve 116)
wurde am 25.3.1870 in Apenrade (heute in Dänemark) als Sohn eines Lehrers geboren. Er machte 1889 sein Abitur in Schleswig und absolvierte sein praktisches Jahr bei dem Hofzahnarzt Stolley in Flensburg, Sterngasse 547. Er studierte in Berlin vier, München ein und Erlangen drei Semester. Seine Zahnärztliche Approbation erhielt er am 6.12.1892 in Berlin. In Erlangen studierte er Naturwissenschaften und promovierte am 6.6.1894 über ein paläontologisches Thema. 184) 1894 arbeitete er kurze Zeit bei Julius Doll in Schleswig (siehe dort). Über ihn ist sogar eine Doktorarbeit geschrieben worden. 185) Er machte eine steile wissenschaftliche, standespolitische und gesellschaftliche Karriere. Sein bekanntestes Werk ist die Gründung der Zeitschrift "Zahnärztliche Mitteilungen", die jeder Zahnarzt heute noch 14-tägig erhält.

Vom 30.6.1896 bis 1899 erschienen in Friedrichstadt Anzeigen von Habig. Er war der erste, der Amalgam als Füllungsmaterial in Anzeigen anbot. "H.Habig, Husum, Große Str. 24, 1. Etage, 18 Jahre erster Techniker des Herrn Hofzahnarzt Stolley, empfiehlt sich zur Herstellung Künstlicher Gebisse, Plombiren in Gold, Mineral und Amalgam. etc."

Christoph Hansi war der zweite Barbier von Kappeln. Er wurde 1805 in Kappeln geboren und war zweimal mit einheimischen Frauen verheiratet. Aus der ersten Ehe gingen drei Kinder hervor. Er wohnte 1845 in der Querstraße 51, 1860 in der Querstraße 33. 163)

Der Chirurg J.F.Hellweg in Friedrichstadt wurde 1812 112) ausdrücklich als Chirurg genannt, welcher zugleich zur medizinischen Praxis berechtigt ist.

Bernhart Herchenröder
wurde 1846 186) als Sohn des Schleswiger Friseurs Paul Herchenröder, 7. Quartier No. 117 geboren. Seine Approbation erlangte er im Jahre 1872 34), an dessen Ende er sich in Schleswig niederließ. Von Anfang an hatte er die Absicht, nicht nur als niedergelassener, sondern auch als reisender Zahnarzt zu arbeiten, denn am 4.1.1873 schrieb er in seiner Anzeige, daß er außer am Montag und Dienstag beständig in Schleswig sein werde. Montag den 17.2. 1873 und und Dienstag den 18.2.1873 wollte er zum Beispiel in Friedrichstadt im Hotel "Stadt Hamburg" arbeiten, wie er dort inserierte. Er muß aber noch an anderen Orten (z.B. in Lunden) gewesen sein, was aber nicht überprüft wurde. Friedrichstadt lohnte sich für ihn wohl nicht, denn in der 2. Hälfte des Jahres 1873 gab er dort keine Anzeige mehr auf. Er lieferte sich ein interessantes Anzeigenduell mit Neupert, was im Kapitel "Konflikte" beschrieben ist. Nach dem 1.11.1875 wohnte er nicht mehr in Schleswig, denn sein Vater bot eine Etage zur Miete an 187), und bis 1880 kam er nur noch sporadisch nach Schleswig.
Am 10.6.1876 schrieb er: "Zahnarzt B.Herchenröder wegen Ableistung einer militärischen Uebung in Monat Juni verhindert in Schleswig anwesend zu sein. Wiederaufnahme der Tour Donnerstag den 6ten Juli." 1877 wohnte er in Altona, 4 Grund. 34) In der Deutschen Vierteljahresschrift für Zahnheilkunde ist er als häufiger Kongreßbesucher zu finden. 1880 besuchte er zusammen mit Schmiegelow die VI Jahresversammlung des Vereins Schleswig-Holsteinischer Zahnärzte in Altona. Beide meldeten sich zu Wort. 188) In dem "Kurzen Bericht über die 10. Jahresversammlung des Vereins Schleswig-Holsteinischer Zahnärzte" in Kiel vom 8.6.1884 wurde erwähnt, daß Herchenröder zum Schriftführer gewählt wurde. 189) Seine letzte Adresse gab er in den Schleswiger Nachrichten am 12.11.1887 an: Hamburg, Neuerwall 36.

H.Hinrichsen warb am 3.6.1893 in Friedrichstadt für sein "Atelier für künstliche Zähne in Husum, Am Markt 4."

Der Chirurg Jean Georg Friedrich Hannibal Hitscher in Friedrichstadt (1841-1847 nachgewiesen) war zur medizinischen Praxis berechtigt. 112, 113)

Friedrich Jacobsen
eröffnete seine Praxis in Schleswig am 28.5.1876 mit folgender Anzeige:
"Friedr. Jacobsen Zahntechniker empfiehlt sich zur Anfertigung künstlicher Zähne u. Gebisse unter Garantie. Plom= biren u. Reinigen der Zähne auf das sauberste. Gallberg No 17."
Peter Friedrich Adolph Jacobsen wurde am 8.4.1845 190) als Sohn des Amtschirurgen J.J.C.Jacobsen 191) in Schleswig geboren, bei dem er vermutlich sein Handwerk lernte. Am 13.6.1871 kam F.Jacobsen vom Militär nach Schleswig und zog in sein Elternhaus im 2.Q.No.65 157), heute Michaelisstr. 21. Am 30.6.1871 eröffnete er eine "Barbierstube und Haarschneidekabinet", und am 20.10.1872 heiratete er Maria Dorothea geb. Fuschera im Schleswiger Dom. 190) Seine Spezialisierung auf die Zahnheilkunde begann mit der o.a. Anzeige im Jahre 1876. Er stand aber auch nach wie vor auf zwei Beinen, inserierte er doch am 1.3.1877 :
"In Verbindung mit meiner Barbierstube habe ich jetzt ein vollständiges Friseurgeschäft eingerichtet, welches einem geehrten Publikum bestens empfehle. Flechten, Locken, Chignons und Toupets sind stets vorrätig, auch werden Flechten, Locken u. s. w. von ausgekämmten Haaren gut und billigst angefertigt. F.Jacobsen Gallberg Nr.179"
(Diese Adresse lautet heute: Polierteich 5.) Genauso wie C.Carstens inserierte er oft und regelmäßig als Zahntechniker und änderte seine Anzeige nie. In der Zahntechnischen Reform 1881 Seite 76 veröffentlichte die "Gyps-Fabrik L.Mundt vorm. H.Kühne, Berlin SW, Lindenstr.69" eine große Anzeige mit einer Liste ihrer "zufriedenen Kunden", in der auch "F.Jacobsen, Schleswig" aufgeführt wurde. Er mußte gut verdient (oder gut geerbt) haben, inserierte er doch am 81 24.12.1890, daß "Eine Wohnung bestehend aus 4 bis 5 Zimmern mit Zubehör ist in meinem Neubau zum 1.April 1892 miethfrei" und am 20.3.1896: "Fr. Jacobsen vermietet Laden Ecke Gallberg-Mönchenbrückstraße". In diesem Haus ist heute die Firma Ahrens untergebracht. Nach seinem Tode am 26.9.1906 197) übernahm Spangenberg seine Praxis. Bei der Suche nach den Vorfahren von F.Jacobsen (siehe Bild auf der folgenden Seite) fand der Autor doch Überraschendes , denn Friedrich Jacobsen war der Sproß der ältesten Schleswiger Barbier-Chirurgen-Zahnärzte-Dynastie, die heute sogar noch einen Zahnarzt (Dr.Wilm) vorweisen kann. Sein Kommentar auf die Erkenntnisse des Autors war kurz und trocken: "Ich bin erblich belastet."

Peter Friedrich Jacobsen ca. 1898, Dank an Herrn Dr.Wilm

Die Ahnenreihe der Jacobsen:
1. Jahr Name    Vornamen   Beruf
1751 Jacobsen, Cornelius, Amtschirurgus 192)
1765 Jacobsen, Jacob Friedrich, Amtschirurgus 193)
1814 Jacobsen, Johannes Jeß, Amtschirurgus 194)
1855 Jacobsen, Johann Joseph Cäcil, Amtschirurg, Barbier 195)
1871 Jacobsen, Peter Friedrich Adolph, Barbier, Zahntechniker 196)
1904 Jacobsen, Johann Peter Martin, Zahnarzt in Flensburg 196)
...............in dieser Generation gab es keine Zahnbehandler............................................
1961 Dr.Zipperer, Wiebke, Zahnärztin in Plön 190)
1981 Dr.Wilm, Gero, Zahnarzt in Schuby

Die Praxis von F.Jacobsen ging danach in folgende Hände:
1. Jahr Name Vornamen Beruf
1871 Jacobsen, Peter Friedrich Adolph, Barbier, Zahntechniker
1906 Spangenberg, Wilhelm 197) Zahntechniker, Dentist, Zahnarzt
1955 Harms, Hans-Jörn, 198) Dentist / Zahnarzt
1977 Buhl, Dierk, Zahnarzt
1993 Dr.Hansen, Christian, Zahnarzt
Ab 1977 arbeiteten Harms und Buhl zusammen, ab 1993 Buhl und Dr.Hansen.

Bild 16: Friedrich Jacobsen, Schleswig 1898

Jacoby
inserierte von 1824 bis 1838 in Schleswig und Friedrichstadt. Es handelte sich um zwei Zahnärzte, nämlich Vater und Sohn 198a). J. (Jahn) Jacoby war Jude und wurde um 1768 in Bekum geboren. Von 1818 bis zu seinem Tode am 9.11.1831 199) wurde er in Hamburg als Zahnarzt und Leichdornoperateur ohne Bürgerrecht registriert. Er hatte häufig wechselnde Adressen, was auf wirtschaftliche Schwierigkeiten hindeutet. 200) Laut Danske Tandlæger 117) legte er 1817 in Kiel sein Zahnarztexamen ab, wollte sich 1828 in Odense niederlassen, bekam aber dort Probleme mit dem Stiftsphysikus 111a) und dem Bürgermeister, die beide sein Kieler Examen nicht anerkennen wollten. Es entwickelte sich ein Schriftverkehr nach Kopenhagen, von wo er dann doch seine Bewilligung erhielt, "weil der Zahnarzt Moresco eine Bewilligung bekam". Jacoby war der erste, der kieferorthopädische Behandlungen anbot. Am 10.6.1830 gab er im Ditmarscher und Eiderstedter Boten folgende Anzeige auf:
"Vorläufige Anzeige Da ich binnen Kurzem von hier nach Tönningen und Friedrichstadt kommen werde, so verfehle ich nicht das geehrte Publikum beider Städte davon zu benachrichtigen. Heide, den 30sten May 1830. Ergebenst J.Jacoby, von einem Königl. Dänischen Sani= täts=Collegio zu Kiel examinirter Zahnarzt aus Hamburg."
Nach seinem Tode inserierte ein Zahnarzt J.A.Jacoby mit fast identischen Anzeigen. Vermutlich war dies sein Sohn Salomon, mit dem Jahn Jacoby seit 1822 in der ABC-Straße in Hamburg eine Gemeinschaftspraxis betrieb. 200) Der Autor glaubt, daß er nach dem Tode seines Vaters zum christlichen Glauben konvertierte und sich in John Adolph Jacoby umtaufen ließ. Unter diesem Namen gab es nämlich 1847 einen Zahnarzt in Itzehoe. 201)

In der Angeler Zeitung erschienen ab dem 17.6.1865 17 Anzeigen eines Zahnarztes aus Altona, der in Kappeln um Patienten warb: "Künstliche Zähne, Amerikanische Methode, werden schmerzlos so eingesetzt, daß man damit alle Speisen essen kann, a 5 ß, vom Zahnarzt Th. Jasper, Altona, Reichenstr. 2" Diese Anzeigen waren ungewöhnlich, denn es war nicht einfach, von Kappeln nach Altona zu reisen. Da er weder in Schleswig inserierte noch in einer der namentlichen Volkszählungslisten von Kappeln auftauchte, kommt die Vermutung auf, daß er sich vor 1865 einmal kurze Zeit in Kappeln niedergelassen hatte. Im Zahnärztlichen Almanach von 1879 ist ein Theodor Heinrich Jasper in Husum zu finden.

Der prakt. Zahnarzt W.Jasper gab am 4.4.1896 in Friedrichstadt bekannt, daß er sich in Heide bei Herrn Pohlmann im Heider Hof niedergelassen habe. Vermutlich war er ein Verwandter (Sohn?) von Th.Jasper.

J.T.Jessen
war Barbier und Chirurg in Friedrichstadt 1821, s. Kapitel "Konflikte"! 84 Der Chirurg Koch, der 1841 in Ulsnis und 1847 in Norderbrarup nachgewiesen wurde, war zur medizinischen Praxis berechtigt. 133)

A.Kolbe,
Zahnarzt und bisheriger Assistent des Dr.Fricke inserierte am 30.10.1889 in Schleswig. Seine Adresse war: "Kiel Faulstr. 1 (Ecke der Holstenstr)."

Am 27.5.1789 steht im "Schleswigschen Wochenblatt zur Unterhaltung und Aufklärung" die erste Anzeige eines Zahnbehandlers: "Der in der Königl. Churfürstl. Residenzstadt Hannover examinirte und privilegirte Operateur Lehmann empfiehlet sich einem geehrten Publicum in Ausnehmen, Reinigen und Einsezzen der Zähne, und kurirt die sogenannten Leichdörner aus dem Grunde. Auch sind bei ihm verschiedene Mittel zur Konservirung der Zähne zu haben. Er ist zu jeder zeit am Tage in seinem Logis, bei dem Herrn Hansen beim Zoll, anzutreffen."

v.d.Leck
gab ab dem 3.11.1874 F drei Anzeigen auf: "Heinr. v. d. Leck, früher im Geschäfte des Herrn Zahnarztes Julius Reimers in Itzehoe empfiehlt sich zur Anfertigung künstlicher Zähne und Gebisse in Kautschuk wie in Metall unter Garantie. Anwesend in Friedrichstadt Freitag, den 30. Octbr., bei Herrn Wilckens (Stadt Hamburg) Später alle 14 Tage hier anwesend." Heinrich von der Leck wurde am 13.6.1880 Mitglied des Vereins Deutscher Zahnkünstler. 202)

Christian Gottlieb Heinrich Leopold
Am 17.6.1813 inserierte Leopold in Friedrichstadt. Über seinen bisherigen Werdegang ist in Danske Tandlæge 117) zu lesen: "Christian Gottlieb Heinrich Leopold wurde in Magdeburg geboren und hatte, bevor er in dieses Land kam, eine Stellung als preußischer Hofzahnarzt erreicht. Im Jahre 1806 gab er eine kleine Piece (Abhandlung) von nur 14 Seiten Umfang heraus: "Bemerkungen über Zweckmässiges Verfahren bey Zahnoperationen." Zu Beginn seines Auftretens in Kopenhagen im Jahre 1807 brachte er gleich eine dänische Übersetzung seines Büchleins heraus. Er stellte sich am 11.2.1807 zum Tentamen ein und bestand es mit der Note "Godt". Im Protokoll wurde nachgetragen: "Er gab an, daß er sich nur mit dem Extrahieren, Reinigen, Plombiren von Zähnen, und dem Einsetzen von falschen Zähnen befassen will." Am 3.3.1807 bekam er die Bewilligung zu praktizieren und war dann im Kopenhagener Adreßbuch bis 1812 erst in der Klareboderne, dann in der Toldbodgade und Lösträde zu finden; aber danach tauchte er nicht mehr auf. Vermutlich haben ihn die Umstände nicht befriedigt, und er ist wieder weggereist. Seine Bewilligung lautete so: "C 7. Hiermit machen Wir nach Befragen des Gesundheitskollegiums bekannt, daß dem kgl. preussischen Hofzahnarzt Heinrich Leopold erlaubt sein soll, hier in Kopenhagen als Zahnarzt zu praktizieren. Er darf sich aber nur mit dem Extrahieren, Reinigen, Plombiren von Zähnen, und dem Einsetzen von falschen Zähnen befassen. Weitergehende medizinische oder chirurgische Tätigkeiten sind 85 ihm untersagt, desgleichen auch das Verkaufen von selbst komponiertem Arkanum, welches er sich von einer Apotheke herstellen lassen muß. Untersagt ist ferner ... etc. København, den 3.Marts 1807. Ad mandatum."

Salomon Levi,
später nannte er sich Matthias Levestamm, stellte sich am 7.1.1818 in Schleswig vor. Im Danske Tandlæger 117) ist über ihn zu lesen: "Moses Salomon Levi bzw. Matthias Levestamm war gebürtiger Jude und stammte aus Holland. In seiner Jugend studierte er Zahnmedizin auf ausländischen Universitäten und machte sein Examen in Kiel. 1793 bekam er eine Genehmigung, um als Zahnarzt nach Norwegen zu reisen; danach zog er nach Kopenhagen und unterwarf sich am 22.1.1800 an der chirurgischen Akademie dem Tentamen, das er in beiden Teilen (Theorie und Praxis) mit der besten Note "Godt" bestand. Schon am 10.2.1800 bekam er eine vorläufige Genehmigung, "daß er als Zahnarzt im besagten Kopenhagen praktizieren darf." Aber noch ehe er das Tentamen bestand und die Bewilligung erhielt, hat er vermutlich schon praktiziert, denn er wird schon 1799 als Zahnarzt im Adreßbuch aufgeführt, wohnhaft in der Skindergade Nr.17. Es scheint, daß er eine vornehme Patientenschaft hatte, aber sie brachte ihm wohl kein ausreichendes Einkommen, denn im September 1800 folgendes Gesuch ein: An den König! Nachdem ich bei verschiedenen ausländischen Universitäten studiert habe ich sowohl in Kiel als auch in Kopenhagen die Zahnarztprüfungen mit ausgezeichneten Noten bestanden, hat mir dann Ihre königliche Majestät das Privilegium vergönnt, mich hier in dieser Stadt als Zahnarzt niederzulassen. Ich hatte die Gnade, Ihre königliche Hoheit Kronprinzessin und Seine Durchlaucht Herzogin von Augustenburg nebst mehreren Personen aus der königlichen Familie behandeln zu dürfen und ich schmeichle mich bei dieser Gelegenheit mit der Hoffnung, daß ich erfüllt habe, was man von mir erwartete. Mein größtes Verlangen war immer hier in dieser Stadt zu praktizieren; aber da meine Einkommensverhältnisse sind nicht so, wie ich erhoffte, da ich auch eine Familie und meine alte Mutter ernähren muß. Ich hoffe deshalb untertänigst, daß mich Ihre königliche Majestät zum Hofzahnarzt ernennen möge mit einer Gage, deren Höhe ich in das Belieben Ihrer königlichen Majestät setzen möchte. Allerunderdanigst M.S.Levi. Trotz dieses Gesuchs wurde er nicht als Hofzahnarzt angestellt. Aber er erreichte damit immerhin, daß man ihm eine jährliche Unterstützung von 100 Reichstalern zukommen ließ, solange er sich im Reich aufhielt. Doch war ihm dies nicht genug, denn am 15.1.1801 reichte er ein neuerliches Gesuch um Ernennung zum Hofzahnarzt ein. Aus diesem Anlaß wurde die chirurgische Akademie um eine Stellungnahme gebeten, welche wie folgt aussah: ... Die Akademie befürwortete sein Ersuchen mit der Auflage, daß er auch Zahnmedizinstudenten in seiner Praxis ausbildete. Nachdem auch der Oberhofmarschall Hauch das Ersuchen unterstützt hatte, stand seiner Ernennung nicht mehr viel im Wege. Aber nach Love durften nur Staatsbürger eine solche Stellung bekleiden, was er auch am 18.9.1801 wurde und wofür er eine Gebühr von 36 Reichstaler und 56 Schilling zahlen mußte. Am 21.10.1801 erhielt er endlich seine Ernennung zum Hofzahnarzt. Aber da ihm seine Einkünfte immer noch zu niedrig waren, reichte er am 7.1.1804 ein neuerliches Gesuch ein: An den König!

Ihre königliche Majestät vergönnte mir den Titel Hofzahnarzt, verbunden mit einer außerordentlichen Gratifikation von 100 Reichstalern jährlich, wofür ich höchst dankbar bin. Ich stehe gerne Ihrer königlichen Majestät und übrigen höchstköniglichen Personen als Zahnarzt zur Verfügung, auch wenn ich in anderen Städten bessere finanzielle Einkünfte haben würde. Deshalb erlaube ich mir untertänigst die Freiheit zu nehmen, Ihrer königlichen Majestät vorzuschlagen, ob man mir nicht mit Rücksicht auf die Teuerung der Zeit und die großen Ausgaben für meine Familie eine Gage bewilligen könnte, die mir den Verlust ersetzen würde, den ich dadurch erleide, daß ich nicht im Ausland arbeite. Ich möchte Ihre kgl. Majestät untertänigst um Erwägung meines Anliegens zu bitten. Allerunderdanigst M.S.Levi Levis Einkommen wurde auf 400 Reichstaler erhöht, verbunden mit der Auflage, daß er Zahnmedizinstudenten in seiner Praxis kostenlos ausbilden müsse. Sein Wunsch, im Ausland zu arbeiten, war aber ungebrochen und so erhielt er am 6.1.1809 die kgl. Erlaubnis, für ein Jahr nach St.Petersburg zu ziehen, ohne daß seine Gage gekürzt wurde. Als er im folgenden Jahr endlich in St.Petersburg war, reichte er von dort am 6.2.1810 wieder ein Gesuch ein, ein weiteres Jahr dort bleiben zu dürfen. Auf seine Gage als Hofzahnarzt wollte er gerne für das Jahr 1810 verzichten, "weil er sein Vaterland liebt und ihm sein Schicksal zu Herzen geht." Der König nahm das Angebot an und die 400 Reichstaler kamen in den sogenannten "synkende Fond", der für die Bezahlung von Staatsgeldern bestimmt war. Aber ein Jahr nach dem anderen ging vorüber, ohne daß er zurückkehrte. Erst im Jahre 1817 meldete er sich in Kopenhagen so wieder: An den König!

Im Jahre 1809 erlaubte mir Ihre Majestät allergnädigst einen 1-jährigen Auslandsaufenthalt bei voller Weiterzahlung der Hofzahnarztgage. Am Jahresende bat ich Ihre Majestät um Verlängerung des Auslandsaufenthaltes um ein weiteres Jahr bei Verzicht auf meine Gage, worin Ihre Majestät allergnädigst einwilligte. Nachdem auch dieses Jahr verflossen war, erdreistete ich mich wiederum, Ihre Majestät um 2 weitere Jahre Auslandsaufenthalt zu ersuchen, was mir bei Verzicht auf meine Hofzahnarztgage auch allergnädigst bewilligt wurde. Nach diesen 4 Jahren in Rußland wollte ich nach Dänemark in meinen alten Wirkungskreis zurückkehren. Aber da fand die französische Invasion in Rußland statt, die für mich zur Folge hatte, daß ich in Moskau ausgeplündert wurde und mir und meiner Familie nur die Sachen blieben, die wir am Leibe trugen..Doch nicht genug damit, wurden wir als Kriegsgefangene nach Minsk in Polen verschleppt. Nur durch die Hilfe des dänischen Ministers in Petersborg, an den ich mich wandte, wurden wir aus der Gefangenschaft erlöst, die insgesamt 7 Monate dauerte. In dieser kläglichen Verfassung bin ich nun nach Dänemark zurückgekehrt und erdreiste mich, Ihre königliche Majestät darum zu bitten, mir die Hofzahnarztgage von 1813 bis heute auszuzahlen, da ich unschuldig an meinem verlängerten Auslandsaufenthalte war. Nur wenn ich diese Gage erhalte und mich wieder hier niederlassen kann, werde ich imstande sein, meine Frau und mein Kind, welche ich in Hamburg zurücklassen mußte, durchzubringen. Dann möchte ich noch hinzufügen, daß ich während meines Aufenthaltes in Petersborg vom mosaischen zum evangelisch-lutherischen Glauben konvertiert bin, und aus diesem Anlaß meinen Namen geändert habe.

Allerunderdanigst Matthias Levestamm København, d. 23.Septbr. 1817. Aber dies waren schlechte Zeiten, als Levestamm den Staat um Geld ersuchte. Die Finanzen waren nach dem langdauernden Krieg gegen die Engländer in einer sorgenvollen Verfassung. Die Finanzabordnung, die um Stellungnahme gebeten, erklärte, daß Levestamm keinen Anspruch auf die Gage habe, daß es zur Zeit keinen Mangel an fähigen Zahnärzten in Kopenhagen gebe, riet zur Ablehnung des Gesuches. Der König aber verfügte eine einmalige Abfindung von 400 Reichstalern und ließ ihn noch bis 1848 im Staatskalender als Hofzahnarzt führen." Es ist zu vermuten, daß dies sein Todesjahr war. 1818 kam Levestamm nach Schleswig, wie die o.ä. Anzeige beweist. Matthias Levestamm hatte einen Sohn mit dem Namen Arnold Levestamm, der Arzt war. Es ist nicht gesichert, ob er mit dem Arzt Dr. Arnold Levestamm in Böel (Kreis Schleswig) identisch ist. 203,204)

L.Levy,
der approbierte Zahnarzt und Leichdorn=Operateur aus Hamburg war in Schleswig auf der Durchreise und inserierte am 12.2.1817. Laute Danske Tandläger gab es 1799 einen Philip Levy aus Lübeck, der bei der Zahnarzt- Prüfung in Kopenhagen durchfiel.

Ab dem 19.7.1879 erschienen in Schleswig mehrere Anzeigen: "Für Zahn u. Mundkranke! Zahnersatz: Amer. System. Operationen bed. schmerzlos. Unbemittelte werden berücksichtigt. Henry Lich. Anwesend Freitag d. 18.Juli und vorläufig alle 14 Tage im Hause des Herrn Amtschirurgen Hansen Lollfuß." Henry F. Solms Lich wurde 1880 der erste Schleswig-Holsteinische Zahntechniker, der Mitglied des Vereins Deutscher Zahnkünstler wurde. 205) Von 1885 bis 1887 inserierte Lich aus Rendsburg, Paradeplatz. 1899 war er im Zahnärztlichen Adreßbuch in der Bahrenfelder Str. 124 in Ottensen zu finden. Siehe auch das Kapitel "Konflikte"!

Am 16.8.1891 kam der Dentist Gustav Fr. Th. Lipski mit einer weiteren Person von Flensburg nach Schleswig und zog in das 2.Q.No.240. 157) Der Hofzahnarzt Stolley stellte ihn als seinen Vertreter vor und erklärte, daß er der bisherige Assistent seines Sohnes in Wiesbaden gewesen sei. Da keine weitere Anzeige 88 gefunden wurde, ist davon auszugehen, daß Lipski Schleswig bald wieder verließ und Stolleys Filiale stillschweigend aufgelöst wurde.

Anton Manini
stellte sich am 1.12.1813 in Schleswig mit folgender Anzeige vor: "Der Königliche Dänische Hof=Zahnarzt A. Manini, ist hier angekommen, und logirt bei dem Gastwirth Hrn. Seest am Damm, und gedenkt diese Woche hier zu bleiben." Über ihn ist im Danske Tandlæger 117) zu lesen: "Anton Manini scheint dem Namen nach ein Italiener gewesen zu sein. Eigentlich kann man ihn nicht zu den dänischen Zahnärzten rechnen, auch weiß man nicht, ob er jemals im Königreich praktizierte. Am 3.10.1806 wurde er eingebürgert und erhielt danach die Ernennung zum Hofzahnarzt mit der Aufenthaltserlaubnis für Schleswig und Holstein, aber mit der Verpflichtung, dem königlichen Hause und dem Hof von Schloß Gottorp immer mit seinem Wissen und seiner Kunst zur Verfügung zu stehen. Dafür erhielt er eine jährliche Gage von 300 Reichstalern. Den Hofzahnarzt findet man im Staatskalender bis zum Jahre 1830. Sein Examen legte er bei dem Sanitätskollegium in Kiel ab. Er hatte einige Beziehungen mit Kopenhagen, als er zu Anfang des Jahrhunderts das vorherige Holstein=Holsteinborgske Palais (das spätere Hotel du Nord) am Kongens Nytorf kaufte. Im Jahre 1811 verkaufte er es wieder an den Konferenzrat Constantin Brunn für 160.000 Reichstaler." Manini findet man auch 1812 zusammen mit dem Flensburger Zahnarzt Süskind August Löwe 206) im Verzeichnis der zur medizinischen und chirurgischen Praxis in den Herzogtümern Schleswig und Holstein berechtigten Ärzte. 112) Am 17.4. 1816 erschien in Schleswig folgende Anzeige: "Die am 7ten dieses Monats, auf der Hüsbuyer Ziegelley von edeldenkenden, für die Armuth sich interessirenden Menschen, zusammengebrachten und eingelieferten 6 M 1 1/2 ß Cour., so wie die von der Königl. Dänischen Hof=Zahnarzt Manini geschenkten 7 M 8 ß, sind nach bester Ueberzeugung an die Nothleidendsten vertheilt, und mit dankbarem Herzen aufgenommen worden." Manini war ohne Zweifel wohlhabend. Er suchte Schleswig bis 1830 fast jedes Jahr einmal auf.

Der Dentist Rudolph Martiens
stellte sich am 5.1.1892 in Schleswig so vor: "Für Zahnkranke bin ich täglich von 9-6 Uhr zu sprechen R.Martiens, Dentist früher 1.Assistent des Herr Hofzahnarzt Stolley" Er wurde am 9.7.1863 in Neubrandenburg geboren, zog Ende 1891 vermutlich mit seiner Ehefrau von Berlin nach Schleswig und ließ sich im 2.Quartier No.28 D nieder 157), heute Stadtweg 29. Er war ein fleißiger Inserent, der immer Wert darauf legte, früher der 1. Assistent des Herrn Hofzahnarzt Stolley in Flensburg gewesen zu sein. Martiens war der einzige Zahnbehandler, der eine Stellenanzeige aufgab: 15.12.1893 : "Zahntechniker Für die technische Abteilung meines Instituts suche zu Ostern d.J. einen jungen Mann als Lehrling. R.Martiens" Vermutlich ließ er sich von diesem auch am 21.9.1895 vertreten: "Von Sonnabend den 21. bis Donnerstag, den 26. d. M. bin ich verreist. Unaufschiebbare technische Arbeiten werden in dieser Zeit von meinem jungen Mann ausgeführt. R.Martiens." Martiens wohnte im Stadtweg 29 207) und zog dann in den Stadtweg 32 um. 208) Als er am 4.7.1896 mit seiner Familie nach Berlin, Gartenstr. 68 zog 157), übernahm der Zahnarzt Julius Doll seine Praxisräume. 1897 und 1898 gab Martiens in Schleswig insgesamt 16 Anzeigen auf: "Rudolph Martiens Dr. of Dental Surgery Berlin SW., Kochst. 33-34 Sprechstunden v. 9-5 Uhr" Mit größter Wahrscheinlichkeit hat er sich den Titel "Dr. of Dental Surgery" gekauft, was damals sehr verbreitet war, denn zwischen seiner Abreise aus Schleswig und der ersten Anzeige aus Berlin war einfach nicht genügend Zeit, um in Amerika ein Studium zu absolvieren.

Mendel Alexander Mendelson
inserierte am 13.12.1837 , 1842, 1843 und 1854 in Schleswig. Laut Danske Tandlæger 117) war er vermutlich ein deutscher Jude. Am 28.5.1818 reichte er ein Gesuch ein, um die Zulassung zum Zahnarzt zu bekommen. "da ich die Absicht habe, mich so bald wie möglich dem Examen der chirurgischen Akademie zu unterwerfen." Natürlich bekam er die Antwort, daß er erst das Tentamen bestehen muß. Er stellte sich am 28.4.1819 zum Examen ein und fiel mit der Note "unerfahren", durchs Examen; er ließ sich aber nicht entmutigen und bestand ein Jahr später die Prüfung mit der Note "ziemlich gut". Die Bewilligung zur Berufsausübung wurde ihm am 25.7.1820 erteilt. Er heiratete am 1.5.1819 Sarah Flinthoe; die Ehe war aber unglücklich und wurde nur ein Jahr nach der Hochzeit geschieden. Im August 1824 reichte Mendelson ein Gesuch ein, daß die Ehe dauerhaft geschieden bliebe und erhielt die Erlaubnis, sich nochmals zu verheiraten; doch seine geschiedene Frau verlangte hohe Unterhaltszahlungen für sich und das Kind und erklärte sich sogar bereit, die Ehe wieder aufzunehmen, worauf Mendelson aber nicht eingehen wollte. Unter diesen Umständen lehnte der Kopenhagener Magistrat seinen Antrag mit dem Schreiben vom 5.10.1824 ab. In seinen Anzeigen bezeichnete er sich als "Königl. dänischer examinierter wie auch zu Hamburg concessionierter Zahnarzt und als früherer Zahnarzt des hochsel. Königs Christian VII". Der Titel Hofzahnarzt wurde ihm aber nie verliehen. Mendelson war bis 1847 in Altona 209) nachweisbar.

Am 19.3.1872 S inserierte der Rendsburger Zahnarzt H.Menthen, daß er jeden Monat in Ravens Hotel sein werde, ähnliche Anzeigen gab er in Friedrichstadt auf, auch besuchte er Tönning.

Am 27.9.1820 empfahl sich der Zahnarzt Hirsch Meyer "mit Reinigen der Zähne, wie auch mit Ausnehmen der Leichdörner, ohne Schmerzen zu verursachen." Er stammte aus Farden in Westpreußen 209a).

Anzeige am 17.9.1878 S: "Ausreißen ist noch nicht heilen, sondern die völlige Zerstörung der Zähne, des Mundes sowie des Essens. Mr.L.Meyer, Zahnkünstler, ist der Erste, welcher von Paris nach Deutschland kommt zur Conservirung und gänzlichen Heilung kranker und angesteckter Zähne durch Einbalsamierung und Verstopfung. Er setzt künstliche, der Natur ähnliche Zähne ein; sein Spezialfach ist aber, die Zähne gesund zu machen und für die Lebensdauer zu erhalten. - Mr.L.Meyer ist zu consultiren von 8 - 9 1/2 Uhr Vormittags und von 5 - 8 Uhr Nachm. in "Stadt Kiel." Aufenthalt vier Tage von heute ab." Im Zahnärztlichen Adreßbuch von 1899 ist in Flensburg Norderstr. ein Zahnkünstler Meyer zu finden. Ob diese beiden Personen identisch waren, konnte nicht geklärt werden.

Michaelis inserierte am 7.9.1893 F. Er könnte mit dem Zahnarzt W.C. Michaeliz aus Neumünster identisch sein. 210)

22.12.1869 F Anzeige: Das Einsetzen künstlicher Zähne, sowie die Reparatur von Zahnarbeiten, Reparaturen von Metallgegenständen verschiedener Art wie auch von Regen= und Sonnenschirmen werden besorgt von J.Möller, wohnhaft in der sog. KatholischenStraße, Friedrichstadt, Novbr. 1869

Am 2.2.1820 S gab M. Moresco folgende Anzeige auf: "M.Moresco, mechanischer Zahnarzt aus Hamburg, empfiehlt sich seinem hochzuverehrendem Publikum bestens. Logirt bei dem Herrn F.Jessen in der Michaelisstraße." Danske Tandlæger 117) schreibt über ihn: "Maximilian Moresco wurde 1791 in Hag als Sohn einer jüdischer Familie geboren. Als junger Mann kam er in die Herzogtümer und legte 1820 in Kiel sein Examen als Zahnarzt ab; danach ließ er sich dort nieder und praktizierte aber auch noch in anderen Städten in den Herzogtümern. Während seiner Reisen traf er Menschen, die ihm rieten, doch seinen Wirkungskreis auf Kopenhagen auszudehnen. Am 10.11.1824 richtete er ein Gesuch an die Kanzlei, wegen einer Reise nach Kopenhagen dort praktizieren zu dürfen. Durch Empfehlung des Gesundheitskollegiums bekam er am 20.11.1824 eine Arbeitserlaubnis für 3 Monate. Er mußte sich in Kopenhagen sehr wohl gefühlt haben, denn innerhalb eines Jahres kam er abermals mit folgendem: Underdanigst P.M.
Da ich in diesem Winter von mehreren (Patienten) um meine Hilfe gebeten wurde, wird hiermit ersucht, daß ich in diese Stadt aus Kiel, wo ich wohne, kommen darf. Ich bin ein Zahnarzt, der von der Kieler Fakultät geprüft ist und als Zahnarzt seit 6 Jahren tätig. Unterthänigst wird darum gebeten, daß mir das höchstkönigliche medizinisch-chirurgische Gesundheitskollegium eine günstige Bewilligung erteilt, die mir gestattet, 3 Monate in dieser Stadt zu praktizieren.
Da inzwischen meine Praxis in den Herzogtümern es mir nicht mehr erlaubte, mich länger als 1 Monat in dieser Stadt aufzuhalten, da mich meine Patienten dort (in den Herzogtümern) dringend benötigen, habe ich die Bewilligung nicht ausgeschöpft. Inzwischen hinterließ ich aber hier sehr viel Arbeit und mehrere geachtete Familien äußerten den Wunsch, daß man es mir gestatten möge, zu verschiedenen Zeiten in dieser Stadt als Zahnarzt zu arbeiten. Aus diesem Anlaß bin ich so frei und äußere hiermit die untertänigste Bitte, daß das höchstkönigliche Gesundheitskollegium mir die Erlaubnis erteilen möge, hier in Kopenhagen als Zahnarzt zu arbeiten, wann immer ich mich hier aufhalte. Ich gebe mir die Ehre, gleichzeitig die Kopie eines von seiner Excellence, dem Hofmarschall v. Hauch, Ritter des Elephanten, Träger des Großkreuz des Dannebrog und Dannebrogsmand p.p. ausgestellten Empfehlungsschreibens vorzulegen; sollte es nötig sein, so werde ich die Ehre haben, weitere Zeugnisse meiner Befähigung als Zahnarzt vorlegen. Kobenhagen, den 10. Juni 1825 Undedanigst Maximilian Moresco Kongelic concessioneret Tandlæge i Kiel logerende paa Hjörnet af Gothersgaden og Grönnegaden Nr. 343 Nachdem das Gesundheitskollegium dieses Ersuchen befürwortet hatte, bekam er mit dem Kanzleischreiben vom 26.7.1825 die Erlaubnis, als Zahnarzt in dieser Stadt zu arbeiten, sooft er sich dort aufhielt. Diese Erlaubnis faßte er so auf, daß er beständig in Kopenhagen arbeiten durfte, denn von nun an findet man ihn hier als niedergelassenen Zahnarzt bis zu seinem Tode, ohne daß er eine anderslautende Bewilligung bekommen hätte. Er erlangte schnell Anerkennung: am 15.3. 1826 wurde er eingebürgert, und am 15.4. desselben Jahres Hofzahnarzt ohne Gage, die ihm aber später von Christian VIII in einer Höhe von jährlich 400 Reichstalern doch gewährt wurde. Ein paar Jahre später traf folgendes Ersuchen in der Kanzlei ein: "Nachdem ich mich im Jahre 1820 der für autorisierte Zahnärzte vorgeschriebenen Prüfung an der Kieler Universität unterworfen habe und nachdem ich meine Wissen in diesem Fach später auf Europas erste Stadt ausgedehnt habe, forderten mich mehrere höhere Beamte auf, mich hier in dieser Stadt zu etablieren, und nachdem ich mich so hier etabliert hatte, erhielt ich im Jahre 1825 den Titel "Königlicher Hofzahnarzt". Durch meine Erfahrung in dieser Kunst habe ich zugleich eine ausreichende Erfahrung über einige von mir hergestellte Zahntropfen erlangt, welche das Zahnweh augenblicklich stoppen, und halte es deshalb für meine Pflicht, das Publicum durch eine Anzeige in den Adresskontor-Nachrichten davon in Kenntnis zu setzen, daß ich der Besitzer dieses wirksamen Arkanums (geheimes Mittel) bin und daß dies bei mir gegen Bezahlung zu haben ist. Nachdem ich diese Annonce in dem o.a. Blatt veröffentlicht hatte, wies mich der Stadtphysikus 111a)Professor Lund darauf hin, daß ich nach der geltenden Medizinalordnung nicht berechtigt sei, Medikamente zu offerieren bzw. feilzuhalten. Auf Grund der o.a. Bewilligungen wende ich mich untertänigst an die höchstkönigliche Kanzlei mit der Bitte, daß mir gnädigst die Erlaubnis erteilt werde, die o.a. Zahntropfen herzustellen, feilzuhalten und die nötigen Zutaten dazu in der hiesigen Apotheke kaufen zu dürfen." 92 Daraufhin holte die Kanzlei ein Gutachten vom Gesundheitskollegium ein, welches meinte, daß man dem Supplikanten die Bewilligung geben könnte, wenn die Zahntropfen tatsächlich die behaupteten Eigenschaften haben. Aber es wandte ein, daß sie in der Apotheke billiger wären, als wenn Moresco sie selbst herstellte und erklärte in einem Schreiben vom 18.6.1831: "Was die Nützlichkeit der Tropfen anbelangt, so meinte das Kollegium nach Morescos eigenen Angaben, daß sie keine andere Wirkung haben können als die bereits bekannten Zahntropfen Zahnschmerzen können ihre Ursprung in vielen Ursachen haben und deshalb kann eine Sorte Zahntropfen nicht alle Zahnschmerzen stoppen. Alle Ingredienzen von Morescos Zahntropfen sind bekannte (officinelle) Mittel gegen Zahnschmerzen. Mehrere dieser Ingredienzien kaut oder legt das gemeine Volk in die Zähne, um rheumatische Zahnschmerzen zu lindern, und einzelne davon werden täglich von Ärzten gegen Zahnschmerzen verschrieben. Morescos Erfindung ist somit eingeschränkt auf eine unmotivierte Mischung von altgekannten Substanzen, die es nicht verdient, als Allheilmittel gegen alle Sorten von Zahnschmerzen öffentlich gebraucht zu werden. Deshalb kann das Gesundheitskollegium das Ersuchen Morescos nicht unterstützen. " Die Kanzlei schloß sich dem Urteil des Kollegiums an und teilte Moresco am 14.7.1831 durch den Magistrat mit: "daß es ihm nicht erlaubt werden könne, die angemeldeten Tropfen zuzubereiten, aber daß man nichts dagegen hätte, wenn er mit einer oder mehreren Stadtapotheken eine Übereinkunft trifft, daß diese ihm die Tropfen herstellen, unter Geheimhaltung derer Zusammensetzung, und er sie mit dem Apothekensiegel versehen an seine Patienten weiterverkauft." Moresco wohnte viele Jahre in Amagertorv, um 1840 zog er in den Graabrödretorv Nr.14. Diese Adresse wurde dann für 50 Jahre Familiensitz. Moresco starb am 3.6.1846; er war verheiratet mit Adelaide Italiaender, die am 5.10.1878 starb; ihre Söhne waren die bekannten Kaufleute Jacob und Abraham Moresco." Moresco besuchte Schleswig regelmäßig bis 1829.

Friedrich Hillers Neupert 211)
wurde am 24.5.1800 in Schleswig geboren. Er entstammte einer Familie, die ihr Brot mit Gold verdiente, denn sein Vater Johann Hermann war Goldschmied und Juwelier im Lollfuß und sein Großvater Holo Hillers wiederum "Goldarbeiter am Dom". Neupert heiratete zweimal, beide Ehen blieben kinderlos. Am 7.7.1829 gab Neupert folgende Anzeige im Intelligenzblatt auf: "Im Vertrauen auf das gütige Wohlwollen der biedern Bewohner meiner lieben Vaterstadt, empfehle ich mich diesen mit allen Arten Juwelen=, Gold= und Silberarbeiten; durch auswärtige Connexion bin ich im Stande, meine Arbeiten nach den neuesten geschmackvollsten Desseins zu liefern. Mein stetes Bestreben wird sein, durch die reellste und prompteste Behandlung, wie durch billige Preise, mir das freundliche Wohlwollen eines gütigen Publicums immer geneigter zu machen. Fr. Neupert jun., wohnhaft bei Herrn Linnemann im Lollfuß." Diese Anzeige zeigte, daß er die Geschäfte seines Vaters und Großvaters 93 fortzuführen gedachte. Der Hinweis, daß er bei Herrn Linnemann (auch Lindemann) wohnte, zeigt, daß hier wahrscheinlich der Keim zu seiner späteren Karriere als Zahnarzt gelegt wurde, denn Linnemann war seit 1829 Amtschirurg. 212) Bis 1846 bezeichnete sich Neupert in etlichen Anzeigen immer als Juwelier. Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet, z.B. bekam er 1831 eine Auszeichnung vom Verein zur Beförderung und Vervollkommnung bürgerlicher Gewerbe in Schleswig für seine Juwelierarbeiten. 213) Durch eine Arbeit von Jürgen Hoppmann 211) wissen wir, wie Neupert aussah. Auf der folgenden Seite ist er mit seiner Schwägerin Johanne Magdalene Neumann zu sehen. Es ist ein Ausschnitt des Bildes "Schleswig den 13 Ap 1832" des Schleswiger Malers Bernhard Westphal. Neuperts erste Anzeige als Zahnarzt am 7.7.1847 war im Gegensatz zu seinen späteren Anzeigen sehr unauffällig: "In der Mitte des Lollfußes ist eine Stube und Schlafstube für eine einzelne Person, mit oder ohne Mobilien, zu vermithen. Nähere Auskunft giebt der Zahnarzt Fr.Neupert, Lollfuß No 137" Das Jahr seiner Approbation konnte nicht geklärt werden, denn - in einer Anzeige vom 25.11.1863 hob er seine 30-jährige Praxis hervor, was auf 1833 deutet. - im Zahnärztlichen Almanach von 1879 stand 1835 als Jahr der Approbation 215), - in der Volkszählung 1845 wurde er als Juwelier und Zahnarzt registriert 216), - im Zahnärztlichen Almanach von 1880 stand 1845 als Jahr der Approbation 217), - er selbst bezeichnete sich in der o.a. Anzeige am 7.7.1847 als Zahnarzt. Als Vermutung kann gelten: Er hatte schon goldenen Zahnersatz für Linnemann angefertigt, bevor er sich Mitte der 40er Jahre vermutlich beim Sanitätscollegium in Kiel erfolgreich der Zahnarztprüfung unterwarf. Bemerkenswert ist der Nachruf, den er am 2.4.1865 in den Schleswiger Nachrichten seinem Collegen Besser widmete. Neupert hat bis kurz vor seinem Tode (19.3.1881) noch mit fast 81 Jahren am Patienten gearbeitet, denn seine letzte Anzeige datiert vom 18.1.1881. Neupert praktizierte viele Jahre in der Langen Straße 25, wie in den Schleswiger Adreßbüchern zu lesen ist. Dieses Haus wurde 1880 abgerissen, weil die Bahntrasse nach Süderbrarup darüber führen sollte. 218) Er zog dann kurz vor seinem Tode in den Domziegelhof.

Am 26.6.1885 inserierte Peter Nickels im Kropper Kirchlichen Anzeiger, daß er rasiert und Haare schneidet.

Der Schleswiger Regimentschirurg und Justizrath Georg Wilhelm Nusbaum wurde 1812 ausdrücklich als Chirurg bezeichnet, der zur medizinischen Praxis berechtigt war. 112) Während der Volkszählung 1803 wurde er als 65-jähriger im 8.Q.148 registriert. 1796 war er noch akademisches Mitglied der Chirurgischen Akademie in Kopenhagen. 219)

Julius Reimers
wurde am 3.2.1816 in Itzehoe als Sohn eines Grobschmieds geboren. 220) Es wurde nicht ermittelt, wo er seine Zahnarztprüfung ablegte. Das Bürgerrecht erhielt er in Itzehoe am 28.5.1861. 221) Ihm gehörten zwei Häuser in der Breitenburger Straße 222). Er starb verheiratet und kinderlos am 11.1.1872. 223) Am 6.11.1845 inserierte er zum ersten Mal in Friedrichstadt, daß er nach Tönning und Garding kommen wolle. Von 1854 bis 1862 inserierte und behandelte er auch in Schleswig. Anzeige vom 28.11.1860: "Zahnarzt Julius Reimers zeigt seine Anwesenheit in Schleswig hiedurch an. Wohnt bei Herrn Kaufmann Jürgen Hansen Wwe im Lollfuß."

Am 9.1.1833 S veröffentlichte Dr. Chirurgiae J.H.C.Rheinwald aus Itzehoe eine sehr große Anzeige unter dem Titel: "Einige Worte an Zahnpatienten". Hierin pries er seine neue Methode, künstliche Zähne einzusetzen, an, hängte eine Kopie des Zahnarzt-Examenzeugnisses vom 6ten Novbr. 1832 an, ausgestellt vom Kieler Sanitätskollegium und fügte noch drei Empfehlungsschreiben aus Göttingen aus dem Jahre 1814 bei. Zwei stammten von Professoren und eines von einer Privatperson, die u.a. aussagten, daß sie dieses neue Verfahren, künstliche Zähne mit federhartem Golde zu befestigen, in Rheinwalds Mund (!) selbst besichtigen konnten. Rheinwald schrieb auch zwei Bücher, worin im zugehörigen Kapitel berichtet wird.

Adolph Rubin inserierte am 3.6.1819 in Friedrichstadt. Näheres im Kapitel "Konflikte".

Albert August Schlichting
inserierte vom 13.2.1828 bis 9.3.1836 in Schleswig. Laut Danske Tandlæger 117) wurde er in in Kiel geboren und war Mechaniker, als er sich am 19.5.1826 dem Zahnarzttentamen unterzog und die Note "Gut" erhielt. 1826 richtete er zwei Schreiben an die königliche Kanzlei in Kopenhagen, um die Erlaubnis zu erlangen, in ganz Dänemark und in den Herzogtümern praktizieren zu dürfen, welche er auch erhielt. Als seinen Wohnort gab er immer Kiel an, wo er auch bis 1859 134) nachweisbar ist. Anzeige vom 20.2.1833 im Schleswiger Intelligenzblatt: "Ich beehre mich, hiedurch ergebenst anzuzeigen, daß ich mich bis zum 23sten d.M. hieselbst aufhalten werde und bei dem Herrn Jöns im Lollfuß logire. Schlichting, Zahnarzt. "

Christian Schmelzkopf
gab am 18.11.1890 in Friedrichstadt eine sehr große Anzeige auf: "Chr. Schmelzkopf aus Hamburg Atelier für künstliche Zähne. Schmerzlose Zahnoperation, plombiren, reinigen etc. Nicht passende Gebisse werden passend 96 umgearbeitet. Auf Wunsch im Hause. In Friedrichstadt anwesend: vom 14. bis 20. November. Nähere Auskunft erteilt Carl Schmelzkopf Friedrichstadt." Carl Schmelzkopf war sein Vater, der den Beruf des Kürschners ausübte. Am 1.12.1892 inserierte er, daß er sich in Friedrichstadt niederlassen wollte, wozu es aber nie kam. Seine letzte Anzeige erschien am 19.2.1894.

Carl Christian Schmiegelow
inserierte vom 18.9.1864 bis Anfang 1883 in Schleswig. Laut Lohse 6) stammte er aus Rendsburg, praktizierte dort bis 1863 und ging dann nach Altona. Fehmarn suchte er schon seit 1851 auf. Im Zahnärztlicher Almanach von 1879 215) steht, daß er 1846 im im ehem. Hrzth. Schleswig-Holstein approbiert sei und in Altona, Königstr. 2 wohne. Am 15. u. 16.8.1880 war Schmiegelow zusammen mit dem ehemaligen Schleswiger Zahnarzt Herchenröder auf der VI. Jahresversammlung des Vereins Schleswig-Holsteinischer Zahnärzte in Altona. Beide meldeten sich zu Wort. 188) Am 14. u. 15.6.1896 war die 22. Jahresversammlung des Vereins Schleswig-Holsteinischer Zahnärzte: "Ferner erwähnte der Vorsitzende, dass das Vereinsmitglied Herr Zahnarzt Carl Schmiegelow in Altona am 6. Juni d.J. sein 50 jähriges Approbations Jubiläum gefeiert habe, und bat um die Erlaubniss, im Namen des Vereins ein Glückwunschtelegramm an den Jubilar senden zu dürfen, welches allgemeine Zustimmung fand." 224) Von 1933 225) bis 1937 gab es in Kappeln einen Dentisten namens Wilhelm Schmiegelow. Es ist aber nicht bekannt, ob er mit dem Zahnarzt Schmiegelow aus Altona verwandt war.

C.Schneider
Vom 22.11.1892 F an inserierte C.Schneider. Erst logierte er beim "Gastwirth Fr.Diercks", um am 11.5.1893 von Husum ganz nach Friedrichstadt in das Haus des Rechtskonsulenten Mader umzusiedeln. Anfang 1895 erschien seine letzte Anzeige, danach zog er vermutlich weg.

Der Mecklenburger Hof-, Zahn- und Augenarzt Ernst Schneider lebte 1795 in Preetz 225 a). Am 21.11.1805 nannte sich Schneider in Friedrichstadt noch Oculist und Zahnoperateur, am 12.2.1818 Augen= und Zahnarzt. Es wird vermutet, daß diese beiden Schneider identisch sind. Siehe auch das Kapitel "Konflikte"!

Carl Schnittger und seine Familie:
1.       letztes Jahr Jahr Name Vorname
1895 1905 Schnittger, Emma geb.Weinhold (Ehefrau )
1895 1932 Schnittger, Carl Wilhelm sen.
1899 1901 Schnittger, Heinrich (Bruder v. Carl sen.)
1921 1931 Schnittger, Carl Georg jun.

Bild 18: Carl Schnittger ca. 1932.

Am 15.9.1895 erschien folgende Anzeige: "Atelier für künstliche Zähne. Frau E.Schnittger Schleswig,Stadtweg 67 1.E. Plombiren Extraction schmerzlos Garantie für sachgemäße Ausführung." Frau Emma Schnittger (geb. Weinhold) führte von 1898 bis 1903 eine Filiale in der Friedrichstr. 52, heute Bäckerei Schröder. 226) Von 1908 bis 1910 hatte sie ihre Praxis in Kropp.

Zwei Monate später inserierte ihr Mann:

"Atelier für künstliche Zähne. Plombiren, Nervtödten, Extraction schmerzlos durch Anwendung der localen Anästhesie. C.Schnittger, prakt. Zahnkünstler. ehem. 1. Ass. des Hrn. Prof. Dr. Walter zu Warschau. Schleswig Stadtweg 67 Garantie für sachgemäße Ausführung. Unbemittelte morgens von 8-9 Uhr unentgeltlich." Carl Schnittger wurde am 23.3.1871 in Hannover geboren und kam am 15.9.1895 vom Militärdienst direkt nach Schleswig. 157) 1896 schenkte ihm seine Frau Emma geb. Weinhold einen Sohn 227), der später Carl Schnittger jun. hieß. Das Photo von Carl Schnittger sen. wurde kurz vor seinem Tod aufgenommen.

Bild 19: Schleswiger Kornmarkt nach 1909.

Es gibt noch eine Ansichtspostkarte, die sein Praxishaus in der Michaelisstr.1 zeigt . Man blickt von der Mönchenbrückstraße auf den Kornmarkt ab 1910, da es die elektrische Straßenbahn erst seit diesem Jahre gab. 228) Das Haus Michaelisstr.1 trägt am Dach eine riesige Reklameschrift : "Karl Schnittger , Zahn Atelier" .Sowohl Schnittger sen. als auch Schnittger jun. schrieben ihre Vornamen abwechselnd mit "C" und "K".
Carl Schnittger sen. war zweimal verheiratet und starb am 23.10.1932. 229) Seine Praxis in der Michaelisstr.1 wurde von dem Dentisten Rudolf Westphal weitergeführt. 30) Westphal ist ein sehr rüstiger 92-jähriger Herr und lebt noch heute mit seiner Frau in Schleswig. Am 1.10.1899 folgte der Bruder von Carl Schnittger: "Lollfuß 62 Atelier für künstliche Zähne Mit dem heutigen Tage habe ich mich im Hause des Herrn Sattlermeisters Kock, Lollfuß Nr. 62 als Zahntechniker niedergelassen und werden in meinem aufs feinste und mit den besten Apparaten und Maschinen der Neuzeit eingerichtetem Atelier sämmtliche in mein Fach schlagende Arbeiten, als Plombiren, Anfertigung künstlicher Zähne (Gebisse), Zahnextractionen etc. aufs sorgfältigste, beste und baldigste von mir ausgeführt. Aufmerksame und reelle Bedienung versprechend, bitte ich um gütige Unterstützung meines jungen Unternehmens. Hochachtend H.Schnittger, gegenüber dem Stadttheater. P. S. Bitte mich nicht mit meinem am Kornmarkt wohnenden Bruder zu verwechseln." Auch er kam vom Militär, als er sich 1899 in Schleswig niederließ. Er war fünf Jahre jünger als sein Bruder und verließ Schleswig Anfang 1901, um nach Köln zu ziehen. 157) Carl Schnittger jun. arbeitete von 1921 bis zu seinem frühen Tode im Jahre 1931 in der Praxis seines Vaters mit. 230)

Der Zahnarzt Rudolph Andreas Schölermann aus Heide gab ab dem 10.6.1884 F pro Jahr ein bis zwei "verreist von..." - Anzeigen" auf. Seine Reisen dauerten zwischen zwei und zehn Tagen.

Schröder, "gewesener Barbiergesell" in Friedrichstadt 1821, siehe das Kapitel "Konflikte"

Bernh. Schulze wurde 1892 Asmussens Nachfolger in Kappeln.

F.Schwarz wohnte in Husum, Schiffbrücke und inserierte am 3. 1.7.1887 in Friedrichstadt.

Dr.med.et chirurg. Julius Carl Marius Seeger,
wurde am 26.4.1829 in Schleswig als Sohn des Ober- und Landgerichtsadvokaten Johan Peter Seeger geboren, besuchte die Domschule in Schleswig und machte in Kiel zwischen 1850 und 1856 seine Examina. 204) Am 1.7.1857 stellte er sich in einer Anzeige als Arzt und Zahnarzt vor, wohnhaft im Lollfuß 103. Laut Zahnärztlichem Almanach wohnte er von 1877 bis 1879 in Bremen, Fedelhörn 11. Er ist nicht verwandt mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der KZV Schleswig Holstein Dr. Jörg Seeger.

Wilhelm Seligmann
stellte sich am 13.1.1871 in Friedrichstadt so vor: "Avis für Zahnkranke. Da mich Berufsgeschäfte nach Friedrichstadt führen, zeige ich dem geehrten Publikum hierdurch ergebenst an, daß ich den 18. d.M. eintreffen werde. Wie früher werde beim Herrn Wilckens (Stadt Hamburg) logiren. Wilhelm Seligmann." Laut Lohse 6) war der erste reisende Zahnarzt auf Fehmarn "Falk Seligmann" aus der Altmark am 14.3.1833. Ob hier ein verwandtschaftlicher Zusammenhang besteht, konnte nicht geklärt werden.

Am 7.6.1790 schrieb Simonis in Schleswig: "Der Zahn=Operateur Simonis macht den Höchsten Herrschaften und dem gnädigen und geneigten Publicum hiedurch bekant, daß er abermal hieher berufen worden, und nur eine kurze Zeit allhier verbleiben wird. Denjenigen, die seine Hülfe benöthigt sind, steht er zu jeder Zeit zu Diensten. Er empfiehlt sich bestens mit Zähne Ausnehmen, wie auch Einsezen neuer Zähne. Noch sind bei ihm englische Bruchbänder von diversen Sorten zu haben. Sein Logis ist bei Herrn Hansen am Damm." Simonis schrieb, daß er "abermal hieher berufen worden", was beweist, daß er früher schon in Schleswig war.

Joh. Hans Detlev Stein
inserierte in Schleswig, daß er am 6. und 7. August 1869 in Ravens Hotel anwesend sei. Er wurde 1868 im Kgr. Preußen approbiert und wohnte in Kiel, Holstenstrasse 2. 34) Seine ersten Anzeigen waren sehr groß und wurden von einer Garnitur Oberkiefer-Frontzähne geschmückt. Er kam bis 1879 regelmäßig nach Schleswig, von 1871 bis 1877 auch nach Burg / Fehmarn. 6)

Hier Bild 20.

Hofzahnarzt Stolley, Peter Friedrich Jacob
, wurde am 13.11.1835 in Garding als Sohn des Musikers Peter Friedrich Stolley geboren. Er hatte Privatunterricht, machte sein (med.?) Examen in Kiel am 27.7.1857. 204) Seine zahnärztliche Approbation erlangte er 1860 und den Titel Hrzl. Glücksburg. Hofzahnarzt im Jahre 1872. 34) Er hatte seine Praxis in Flensburg, inserierte aber am 26.5.1875 in Schleswig: "Hofzahnarzt Stolley aus Flensburg wird Sonnabend, den 29sten d. M. ab, jeden vierten Sonnabend in Schleswig (Hotel Esselbach) anwesend sein." Er sprach sowohl von seiner "Klinik für Mund- und Zahnkranke", 231) als auch von seinem Atelier für künstliche Zähne. 232) Er inserierte auch in Kappeln und Friedrichstadt 232, 233), erwartete aber von den Patienten, daß sie zu ihm nach Flensburg (Löwen-Apotheke) oder Schleswig (Mönchenbrückstr. jeden Sonnabend und Sonntag von 9-5 Uhr) kämen. Am 25.4.1887 (Eiderstedter und Stapelholmer Wochenblatt) versuchte er es auch einmal als reisender Zahnarzt in Husum im "Thomas" Hotel. 1889 verlegte er seine Zahnärztliche Klinik in Flensburg in die Große Straße No 4 und gab bekannt, daß sein Sohn Justus bei ihm Assistent sei. 234) 1891 bot er in Schleswig Primanern, welche Zahnheilkunde studieren wollten, an, sie in der zahnärztlichen Technik auszubilden 235), was z.B. der Schleswiger Christian Greve (siehe dort) tat. 1891 ließ er seine Schleswiger Filiale durch Herrn G. Lipski, den bisherigen Assistenten seines Sohnes in Wiesbaden weiterführen. 236) Da weder er noch sein Nachfolger Lipski nach 1891 in Schleswig inserierten, ist zu vermuten, daß die Schleswiger Filiale geschlossen wurde und Martiens (siehe dort) , Habig (siehe dort) und Anthon 237) gegen Bezahlung erlaubt wurde, sich auf Stolley in ihrer Werbung zu berufen. Da der Adel die damals herrschende Schicht in Deutschland war, muß dieser Zusatz sehr attraktiv gewesen sein. Er erinnert an den Zusatz Arzttochter und Arztwitwe in Heiratsanzeigen. In den Zahnärztlichen Adreßbüchern von 1899 bis 1904 wurden sowohl Peter Stolley als auch sein Sohn Justus Stolley als Hofzahnärzte aufgeführt. Nachfolgend eine Liste der ehemaligen Mitarbeiter von Stolley, die sich in ihren Anzeigen auf ihn beriefen: 1891 Lipski, G., Zahntechniker, Assistent beim Sohn des Hofzahnarztes Stolley (Schleswig) 1892 Martiens, Rudolph, Zahntechniker, früher 1. Assistent des Hofzahnarztes Stolley (Schleswig) 1896 Habig, H.,18 Jahre erster Techniker des Hofzahnarzt Stolley (Husum) 1909 Anthon, U., Zahntechniker, früher 1.Techniker-Assistent beim Hofzahnarzt Stolley (Schleswig)

Am 1.5.1833 S veröffentlichte der Amtschirurg Joh. Heinrich Anton Stuhr - völlig unüblich für seinen Berufsstand - eine umfangreiche Praxiseröffnungsanzeige: "Da ich mich hier als Amtschirurg etablirt habe, so empfehle ich mich dem geehrten Publikum mit Rasiren, Aderlassen und Zahnausziehen. Heinrich Stuhr, Amtschirurg, wohnhaft bei Herrn Rusch zur Stadt Flensburg." (Das "Stadt Flensburg" lag damals noch am Kornmarkt 9.) Stuhr wurde 1809 geboren und konnte bis 1866 in Schleswig nachgewiesen werden, wo er die Bürger No. 7074 hatte. 1840 wohnte er im 5.Quartier, 1855 im 1. Quartier No. 94. 127) Mit seiner Frau hatte er 4 Kinder. Fr. Thomsen wurde 1895 nach Bernh. Schulze Asmussens zweiter Nachfolger in Kappeln. Er inserierte mindestens bis zur Jahrhundertwende.

Am 24.10.1884 erschien im Eiderstedter und Stapelholmer Wochenblatt folgende Anzeige: "P.G.Vollmer, prakt. Zahnartist aus Husum Auf mehrfachen Wunsch anwesend von Dienstag, den 21., bis Sonntag, den 26. October, Mittags 12 Uhr, bei Herrn P.Hollmer in Süderstapel. Anfertigung künstlicher Zähne, ganzer Gebisse, Plombiren und Reinigen der Zähne (schmerzlos). Achtungsvoll D.O. N.B. Sprechstunden von Morgens 8 Uhr bis Abends 8 Uhr."

Am 30.9.1898 inserierte der "geprüfte Zahntechniker" Otto Voss aus Eckernförde im Schleiboten.

J.M.Weill
Am 13.12.und und 27.12.1804 erschien folgende Anzeige im Ditmarser und Eiderstedter Boten: "Da ich allhier von Kopenhagen als Zahnarzt angekommen bin, so habe nicht unterlassen wollen, mich mit Hoher Obrigkeitlicher Erlaubnis dem geehrtesten Publikum bestens zu empfehlen. Alle Arten von Zahnschmerzen lindere ich in kurzer Zeit. Abgebrochene Zähne nehme ich auf die allerbehendeste Art aus, und ersetze auf Verlangen die Stellen mit neuen Zähnen, die zum Gebrauch so nützlich sind, als die natürlichen Zähne. Auch reinige ich die Zähne von jeder Beflekkung, und gebe ihnen den Glanz der gesunden wieder. Durch Gold oder Blei setze ich die hohlen Zähne in den Stand, daß die anziehende Luft keine Schmerzen verursachen kann. Die Leichdörner nehme ich ohne alle Schmerzen weg. Auch ist ein gutes approbirtes Zahnpulver bei mir zu haben, und Zahntropfen, wodurch die Schmerzen gestillet und die losen Zähne bevestigt werden. Ich logire bei dem Herrn Jürgen Niehusen junior in Friedrichstadt. J.M.Weill" Zwischen 1805 und 1806 nannte er sich abwechselnd Zahnoperateur und Zahnarzt. Am 29.4.1807 unterzog sich der Elsässer Isack Weill dem Zahnarzt-Tentamen in Kopenhagen. Im Protokoll stand: "Er hat keinerlei theoretisches Wissen, welches mit dem Befragungsprotokoll bewiesen wird, weshalb man das Examen mit ihm nicht fortsetzen kann." Seitdem hat man nie wieder von ihm gehört." 117)

Anzeige am 28.7.1881 S: "Norbert Wiesendanger Amerik. Dentist aus Hamburg ist von Sonnabend, den 30. er. von 11 Uhr Vorm. bis Sonntag, den 31. er., 2 Uhr Nachm., für Behandlung von Zahn= und Mundkrankheiten, künstl. Zähne etc. zu sprechen: Hotel Esselbach Schleswig." 103

Am 4.und 11.3. 1818 erschienen in Schleswig folgende Anzeigen: "Einem geehrten Publicum mache ich gehorsamst bekannt, daß ich Leichdörner oder Hühneraugen und im Fleisch verwachsene Nägel mit großer Leichtigkeit und Vorsicht operire; die desfallsigen besten Zeugnisse von bedeutenden Personen und bekannten einsichtsvollen Aerzten kann ich jederzeit vorzeigen. Mein hiesiger Aufenthalt ist nur kurze Zeit. Logirt bei Hansen am Damm. N.Wolff, koncessionirter Operateur. Die mir von Herrn Wolff vorgelegten Zeugnisse sind so ausgezeichnet vortheilhaft, daß ich ihn dem Publico zu empfehlen kein Bedenken trage. Suadicani, Dr. et Physicus." Die Empfehlung des Physikus 111a) Suadicani gab vermutlich den Anlaß zu dem Skandal um den "Zahnrath Waescher". (Siehe Extra-Kapitel!) Am 24.3.1819 bot Wolff zusätzlich an, alle schadhaften Zähne mit Vorsicht und Leichtigkeit auszuziehen und diesselben von Weinstein zu reinigen. Er inserierte mehrfach bis 1820. Am 7.3.1821 inserierte Wolffs Sohn, denn die Anzeige war unterschrieben mit "Wolff jun.". 1812 gab es auch einen Dr.L.Wolff in Altona, der wie Suadicani "zur medizinischen und chirurgischen Praxis in den Herzogtümern Schleswig und Holstein" berechtigt war. 112) Ob er mit den o.a. Wolffs verwandt war, konnte nicht ermittelt werden.

Am 13.10.1890 gab der Barbier A.Wolffel die Eröffnung seines Geschäftes in Kappeln bekannt.

Heinrich Wommelsdorff-Friedrichsen
stellte sich nach seiner Ankunft 157) aus Kiel am 26.10.1881 in Schleswig so vor: "Zahntechniker H. Wommelsdorff-Friedrichsen wohnt Lollfuß 159 (im Hause der Witwe Banck)" Lollfuß 159 ist heute Stadtweg 77. Heinrich Wommelsdorff-Friedrichsen wurde am am 18.10.1853 in Nortorf als Sohn des Arztes Dr.med.Johann Christian Meinert Wommelsdorff-Friedrichsen geboren. Er starb unverheiratet am 17.4.1893 und wurde in der Dom-Gemeinde-West begraben. 238)

Zusammenfassung
1. Die zahnmedizinische Grundversorgung ruhte im 19. Jahrhundert auf den Schultern der Handwerkschirurgen (Barbiere). Gegen Ende des Jahrhunderts entwickelten sich die Barbiere in zwei Richtungen: Ein Teil wurde Friseur, der andere wurde Zahntechniker.
2. Für anspruchsvollere Versorgungen traten im ersten und zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts die reisenden Zahnärzte, ab dem zweiten Drittel die niedergelassenen Zahnärzte und im letzten Drittel die Zahntechniker und Dentisten auf. Die Tätigkeit der Letzteren wurde erst durch die Gewerbefreiheit ermöglicht. Sie konnten sich im Gegensatz zu den Barbieren und Zahnärzten ohne vorgeschriebene Ausbildung oder Prüfung niederlassen und behandeln.
3. Die Zahnbehandler werden alle persönlich vorgestellt.
4. Die Behandlungsmethoden der Barbiere und Zahnärzte werden ausführlich besprochen.
5. Auch die zahnmedizinischen Produkte, für die in den Zeitungen geworben wurde, werden vorgestellt.

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